Geschichte der Arbeitsmedizin – aus der Vergangenheit für die Zukunft

Im Rahmen des 32. Deutschen Betriebsärztekongresses in Dresden hat sich der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. (VDBW) kritisch mit der Rolle der Betriebsärzte während der Zeit des Nationalsozialismus und der Medizin in der ehemaligen DDR auseinandergesetzt.

Pierre Pfütsch vom Institut für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch Stiftung in Stuttgart referierte über die Entwicklung des Konzeptes der „betriebszentrierten Gesundheitsführung“ Mitte der 1930er Jahre im nationalsozialistischen Deutschland. Insbesondere mit dem Beginn des Krieges wurde der Arbeitsmedizin die Aufgabe zu teil, Sorge dafür zu tragen, den „Volkskörper“ gesund und leistungsfähig zu erhalten. Eine Analyse zeitgenössischer Fachpublikationen ergab dabei eine signifikante Zunahme an Betriebsärzten von 971 auf 8.000 zwischen 1939 und 1944. Verbandspräsident Herr Dr. Panter berichtete in Vertretung für Frau Prof. Dr. Gine Elsner aus Ihren umfangreichen Recherchen. Neben der Versorgung von Zwangsarbeitern waren auch Betriebsärzte in die Versorgung der KZ-Häftlinge in Außenlagern eingebunden. In den Recherchen wurde deutlich, dass kranke Zwangsarbeiter nahezu keine Chance hatte zu überleben. In Hessen wurden sie in die Euthanasieanstalt Hadamar verlegt und getötet. Nur von ganz wenigen Betriebsärzten ist bekannt, dass sie versucht hätten, das Leid der Beschäftigten zu lindern. Die meisten Betriebsärzte waren offenbar ideologisch mit dem NS-Regime verbunden. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Betriebsärzte häufiger Mitglieder der NSDAP oder der SA waren als der Durchschnitt der Ärzte. Die Betriebsärzte sind Frau Prof. Elsner dankbar für dieses Werk über die Betriebsärzte während der NS-Zeit.

Daneben wurde auch die politisierte Medizin in der DDR diskutiert. Herr Prof. Dr. Florian Steger vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm berichtete, wie hier in vielen Bereichen die Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit im Vordergrund stand. Somit ist auch die ethische Bewertung der praktizierenden Medizin kritisch zu hinterfragen, wo andere handlungsleitende Motive an die Stelle von Fürsorge und Verantwortung traten. In einem neuen Forschungsprojekt setzt sich Prof. Dr. Steger nun mit der Betriebsgesundheit und der Arbeitsmedizin in der DDR auseinander.

Der VDBW hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Arbeitsmedizin zu beleuchten und ist interessiert an der umfangreichen Aufklärung des betriebsärztlichen Handelns in der Vergangenheit.