VDBW-Kongress „Health in Care Professions“ rückt Beschäftigte in den Fokus
Erfurt, 12.05.2026 – Gewalterfahrung im Arbeitsalltag, hohe psychische und emotionale Anforderungen und wachsende Personalengpässe: Die Herausforderungen für Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen stehen derzeit im Zentrum gesellschaftlicher und politischer Debatten. Wie unter diesen Bedingungen die Beschäftigungsfähigkeit der Millionen Fachkräfte gesichert werden kann, ist eine der zentralen Zukunftsfragen für Wirtschaft und Gesellschaft.
Genau hier setzt der Frühjahrskongress „Health in Care Professions“ (HiCP) des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. (VDBW) an, der vom 17. bis 19. Juni 2026 in Erfurt stattfindet. Unter dem Motto „Gesund versorgen – Beschäftigungsfähigkeit als systemische Aufgabe“ bringt der Kongress Fachleute aus Arbeitsmedizin, Gesundheitswesen und Politik zusammen.
„Entscheidend ist, ob die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten spürbar gesünder werden.“
„Unabhängig davon, wie Reformen im Gesundheitswesen im Detail ausgestaltet werden: Entscheidend ist, ob die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten spürbar gesünder werden. Beschäftigungsfähigkeit entsteht nicht durch individuelle Belastbarkeit, sondern durch gute Arbeitsbedingungen – und deren Gestaltung ist eine systemische Aufgabe, zu der die Arbeitsmedizin einen zentralen Beitrag leistet.“, betont Susanne H. Liebe, Präsidentin des VDBW.
Schwerpunkte: Belastungen erkennen – Lösungen entwickeln
Der Kongress richtet den Blick gezielt auf die Realität in Pflege, Medizin und Betreuung. Themen sind unter anderem:
- psychische Belastungen und Gewaltprävention
- arbeitsmedizinische Versorgung im Gesundheits- und Sozialwesen
- Infektionsschutz und sichere Arbeitsbedingungen
- digitaler Wandel und klimabedingte Anforderungen
- gendersensible Arbeitsmedizin und Mutterschutz
„Die Betriebsmedizin sieht und versorgt auch Menschen, bei denen Gesundheitsthemen eine eher untergeordnete Rolle spielen“
Wie bereits im Vorjahr übernimmt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, die Schirmherrschaft des Kongresses und verweist auf die besondere Rolle der Arbeitsmedizin: „Durch ihre Präsenz im Arbeitsalltag kommen Betriebsärztinnen und Betriebsärzte mit etwa 46 Millionen Erwerbstätigen in Kontakt – darunter auch Bevölkerungsgruppen, die für die medizinische Regelversorgung sonst kaum erreichbar sind.
Der Betriebsmedizin kommt gerade deshalb eine zentrale, oft unterschätzte Rolle zu: Sie sieht und versorgt auch Menschen, bei denen Gesundheitsthemen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur präventiven und kurativen Medizin und eröffnet einen niedrigschwelligen Zugang zu medizinischer Versorgung am Arbeitsplatz.“
Ein besonderer Programmpunkt ist die Keynote des Soziologen Stefan Schulz am 17. Juni. Er beleuchtet die demografischen Verschiebungen und ihre Folgen für das Verhältnis von Versorgenden und Versorgten – und ordnet aktuelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel und Arbeitsverdichtung in einen größeren gesellschaftlichen Kontext ein: „Wer als Betriebsärztin oder Betriebsarzt die Beschäftigten dieser Branchen betreut, betreut die Versorgenden der Versorgenden – arbeitet also dort, wo die Altenrepublik nun akut ist.“
Im Anschluss diskutieren Expertinnen und Experten im Rahmen einer Podiumsdiskussion, wie sich Beschäftigungsfähigkeit im Gesundheitswesen systemisch sichern lässt – passend zum Kongressmotto.
Austausch, Praxis und Perspektiven
Der HiCP-Kongress bietet eine Plattform für Fortbildung, Vernetzung und interdisziplinären Austausch. Ergänzt wird das Programm durch ein Satellitenangebot für arbeitsmedizinisches Assistenzpersonal sowie Beiträge für Ärztinnen und Ärzte anderer Fachrichtungen.
Weitere Informationen und Programm
Zu den Veranstaltungsinformationen
Anmeldung zum Pressegespräch am 17. Juni 11 Uhr
Über den VDBW
Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. (VDBW) ist der größte arbeitsmedizinische Fachverband Europas. Seit 1949 setzt er sich für die gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeit, die Qualität der arbeitsmedizinischen Versorgung und die berufspolitischen Interessen seiner über 4.300 Mitglieder ein.
