Am 11.10.2010 fand mit einem Eröffnungsvortrag der Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Frau Dr. Monika Stolz das Statussymposium zur Gesundheitsstrategie statt, eine ganztägige Veranstaltung mit hochrangigen wissenschaftlichen Referenten unter dem
Schwerpunkt „Ökonomie und Gesundheit“.
Frau Dr. Stolz nannte an Aufwendungen allein in Baden-Württemberg für den Diabetes Typ II 3,7 Milliarden Euro pro Jahr und stellte dabei die These auf,
dass mindestens die Hälfte dieser Aufwendungen durch eine effektive Prävention vermeidbar sei. Diese These beruht auf Zahlen und Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation.
Dies insbesondere auch unter der Vorstellung, dass drei Viertel der Gesamtkosten für die Behandlung der Folgeerkrankungen und Komplikationen
und nur ein Viertel zur Behandlung des einfachen Diabetes aufgewendet werden muss.
Diese Einsparungen seien jedoch nicht nur beim Thema Diabetes, sondern auch bei einem großen Teil der Herzerkrankungen, Schlaganfälle und bei ca. 40 % der Krebserkrankungen möglich, die vermieden werden könnten, wenn es gelinge, die Hauptrisikofaktoren wie beispielsweise Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel positiv zu beeinflussen. Die Ministerin forderte daher, dass Prävention und Gesundheitsförderung als gleichwertige Säulen des Gesundheitswesens neben Behandlung, Rehabilitation und Pflege etabliert werden.
Im Kern geht es bei der baden-württembergischen Gesundheitsstrategie darum, die Faktoren, die Einfluss auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung haben, frühzeitig positiv zu verändern. Die Gesundheit wirkt sich unmittelbar auf die Ökonomie aus, da ein guter Gesundheitszustand Voraussetzung dafür ist, dass auch unter den Bedingungen des demografischen Wandels die Mittel für den nachhaltigen Wohlstand und ein Leben auf hohem Niveau erwirtschaftet werden können.
Darüber hinaus ermöglicht der verbesserte Gesundheitszustand den Menschen eine längere Lebensarbeitszeit, was nach Ansicht der Politik für die älter- und kinderloser werdende Bevölkerung zur wirtschaftlichen Notwendigkeit wird. Ein guter Gesundheitszustand ist aber natürlich auch die Grundlage für persönliches Wohlbefinden.
In der baden-württembergischen Gesundheitsstrategie werden diese Zusammenhänge und Herausforderungen aufgegriffen und der Rahmen für eine
gesundheitsförderliche Gesamtpolitik beschrieben. Die Anstrengungen im Land sollen gebündelt und koordiniert werden, außerdem sollen Handlungsempfehlungen begründet und unterstützt werden. Zur Koordinierung und Steuerung der Umsetzung wurde eine Arbeitsgruppe „Standortfaktor Gesundheit“ eingerichtet.
Daneben wurden 4 Projektgruppen mit den Themenbereichen: Gesundheitsziele, Gesundheitsberichterstattung, kommunale Gesundheitskonferenzen und Betriebliches Gesundheitsmanagement eingerichtet.
In den verschiedenen Lebenswelten lassen sich niedrigschwellige Ansätze oder
sogar aufsuchende Maßnahmen anwenden. Damit könnte dem sonst so
behindernden Allokationsproblem begegnet werden. Besonders im Setting
Betrieb sind die Mitglieder der Zielgruppe als aktiv Handelnde anzusprechen
und an der Planung und Durchführung der Maßnahmen zu beteiligen.
Ministerialdirigent Gerhard Segmiller stellte die Projektgruppe „Betriebliches
Gesundheitsmanagement“ vor, deren Hauptziele sind:
1. Muskel- und Skeletterkrankungen in der Häufigkeit senken
2. Arbeitsfreude erhalten und fördern, und damit psychische Fehlbelastungen
und Suchterkrankungen vermeiden
3. Darstellung des wirtschaftlichen Nutzens für kleine und mittlere
Unternehmen
4. Vermeiden bzw. Verringern des metabolischen Syndroms und damit des
Diabetes Typ II
Die dazu notwendigen Bausteine sind:
1. Ein hohes Interesse am Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement
(es wurden Beispiele aus verschiedenen Regionen vorgestellt)
2. Ein Ausbau des Angebots an niederschwelliger Beratungsstruktur
(z. B. bei der Arbeitsmedizinischen Vorsorge durch die Betriebsärzte)
3. Die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Haus- und Betriebsärzten
4. Die Tauglichkeit von tarifvertraglichen Regelungen und
Betriebsvereinbarungen im Sinne des Gesundheitsschutzes
5. Die Gründung einer Projektgruppe „Sucht“
6. Die Förderung weiterer Veranstaltungen
Weitere zentrale Maßnahmen bei der Gesundheitsstrategie Baden-Württemberg sind:
1. Gesunde Umgebungen schaffen
2. Früh- und ganzheitlich ansetzen
3. Gesundheitliche Benachteiligungen verringern
4. Chronische Erkrankungen früh erkennen
5. Mit chronischen Erkrankungen besser umgehen
6. Chronisch Erkrankte besser versorgen
7. Patientenrechte und die Fähigkeit zum Selbstmanagement stärken
8. Selbsthilfegruppen stärker einbinden
Im Jahre 2006 wurde ein Präventionspakt Baden-Württemberg mit den Trägern
der Sozialversicherung vereinbart. Ziel ist die Zusammenarbeit mit den Akteuren in den verschiedenen Lebenswelten zu intensivieren. Die Vernetzung soll auf kommunaler Ebene organisiert werden und damit in die Fläche kommen.
Bei den Stadt- und Landkreisen sollen Gesundheitskonferenzen themenbezogen unter Beteiligung aller relevanten Akteure) eingerichtet werden.
Nach Einschätzung der Ministerin ist dies nur möglich, wenn es zu einer besseren Vernetzung von Betriebsärzten und niedergelassenen Ärzten (Haus- und Fachärzten) kommt. Die Gesundheitsberichterstattung soll gestärkt werden.
Dabei soll dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg die Aufgabe einer fachlichen Drehscheibe der Gesundheitsstrategie zukommen. Kooperation mit den Hochschulen und Universitäten des Landes soll erfolgen.
Zusammenarbeit zwischen den datenerhebenden Stellen wie GKV, KV, Statistischem Landesamt und Öffentlichem Gesundheitsdienst. Der Gesundheitsberichterstattung kommt dabei bei der Evaluation der Maßnahmen und der Formulierung weiterer Ziele eine hohe Bedeutung zu.
Zum Schluss ein Zitat der Ministerin, die selbst als Betriebsärztin in einem mittelständischen Betrieb in Baden-Württemberg über Jahre hinweg aktiv tätig war:
„Von besonderer Bedeutung wird auch die verstärkte Förderung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement insbesondere in kleineren und mittleren Betrieben sein".

