„Kursbuch Arbeitsmedizin“

2. Auflage, Stand: 20.04.2007

Die Arbeitsmedizin ist eine vorwiegend präventiv ausgerichtete Disziplin der Medizin, die sich mit allen Fragen der Wechselbeziehung zwischen Arbeit, Gesundheit, Krankheit und Arbeitsfähigkeit beschäftigt. Die Berufsfelder für Arbeitsmediziner sind vielgestaltig. Der weitaus überwiegende Teil der Weitergebildeten wird als Betriebsarzt tätig. Weitere Berufsfelder sind arbeitsmedizinische Forschung und Lehre, ärztliche Aufgaben im medizinischen Arbeitsschutz der Landesbehörden sowie der Unfallversicherungsträger. Hinzu kommen ärztliche Tätigkeiten mit speziell geforderter arbeitsmedizinischer Kompetenz in den anderen Zweigen der Sozialversicherung, in Rehabilitationseinrichtungen, im Bereich Public Health und der Gesundheitsförderung.

Arbeitsmedizinisches Handeln findet in einem gesellschaftlichen Spannungsfeld statt und bewegt sich im Rahmen öffentlicher sowie betrieblicher Anforderungen. Ärzte mit der Facharztbezeichnung „Arbeitsmedizin“ oder der Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ bedürfen fundierter fachlich inhaltlicher, methodischer, sozialer sowie ethischer Kompetenzen, um diesen Anforderungen mit ärztlicher Professionalität zu genügen. Ihr Handeln wird darüber hinaus durch die Anwendung nicht nur medizinisch-naturwissenschaftlicher, sondern auch ingenieurwissenschaftlicher, arbeitswissenschaftlicher, psychologischer, soziologischer, betriebswirtschaftlicher wie auch managementwissenschaftlicher Erkenntnisse geprägt. Arbeitsmedizinische Tätigkeit wird im Rahmen der im Fluss befindlichen rechtlichen Bedingungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie des integrierten Versorgungssystems vollzogen. Diese Breite kann in der praktischen Tätigkeit der Weiterbildung allein nicht vermittelt werden. Letztere ist nicht nur von der Art der Weiterbildungsstätte abhängig, sondern auch vom Spektrum der zu beratenden Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Betriebe und Branchen. Arbeitsmedizinische Forschung muss sich dem hohen Anspruch von inter- und transdisziplinärer Methodologie in enger Verbindung zur arbeitsmedizinischen Praxis stellen.

Angesichts der Vielfalt der Aufgabenstellung sowie der Heterogenität der Weiterbildungsmöglichkeiten kommt dem im Rahmen der (Muster-)Weiterbildungsordnung erforderlichen 360-stündigen Weiterbildungskurs zur Arbeitsmedizin/Betriebsmedizin eine grundlegende und vereinheitlichende Funktion im Sinne einer breiten Wissensvermittlung und Qualitätssicherung zu. Die Einsatzmöglichkeiten eines Arbeitsmediziners/ Betriebsmediziners können mit vielfältigen Aufgabenstellungen in allen Bereichen der Arbeitswelt liegen. Deshalb braucht der Arbeitsmediziner/Betriebsmediziner ein breites Grundlagenwissen, welches es ihm ermöglicht, sich schnell und effektiv auf diese neue Anforderungen einzustellen.

Nachdem im Jahr 2000 erstmalig ein Kursbuch Arbeitsmedizin/Betriebsmedizin durch den Vorstand der Bundesärztekammer verabschiedet wurde, ergab sich durch die Entwicklung und Veränderung der Rahmenbedingungen arbeitsmedizinischer Tätigkeit die Notwendigkeit der Überarbeitung. Über viele Jahrzehnte forderten der Gesetzgeber und die Unfallversicherungsträger, dass Arbeitsmediziner/Betriebsärzte für das Erbringen bestimmter arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen staatliche und berufsgenossenschaftliche Ermächtigungen erwerben müssen, welche die Absolvierung von verpflichtenden Ermächtigungskursen einschließen. Diese in die Autonomie der Ärztekammern eingreifenden Regelungen entstammen einer Zeit, als es noch nicht genügend qualifizierte Arbeitsmediziner/Betriebsärzte gab. Spätestens durch die Weiterentwicklung der Qualifizierungswege in der Arbeitsmedizin/Betriebsmedizin zur Facharztweiterbildung „Arbeitsmedizin“ und Zusatz-Weiterbildung „Betriebsmedizin“ war das Ermächtigungsverfahren in Frage zu stellen. Dieser Sichtweise entsprach der Gesetzgeber, indem er z. B. mit der Novellierung der Gefahrstoff-, Biostoff und Gentechniksicherheitsverordnung vom 01.01.2005 das Ermächtigungsverfahren, zumindest für diesen Regelungsbereich, abgeschafft hat. Dieser Umstand veranlasste die Redaktionsgruppe zu prüfen, welche der Inhalte der genannten Ermächtigungskurse ohnehin schon in den Weiterbildungskursen vermittelt werden und welche möglicherweise noch in den Inhalten des 360 Stunden umfassenden Weiterbildungskurses integriert werden können.

Die Vorstände der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V. und des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. haben zusammen mit den fachlichen Verantwortlichen der bestehenden Akademien/Sektionen für Arbeitsmedizin der Landesärztekammern, der Bundesländer, sowie Vertretern der Bundesärztekammer und des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften auf der Grundlage des vorhandenen Curriculums Arbeitsmedizin diese Überarbeitung vorgenommen. Der Vorstand der Bundesärztekammer hat das vorliegende Kursbuch am 20. April 2007 verabschiedet und den Landesärztekammern empfohlen, die darin enthaltenen Lehrinhalte den theoretischen Weiterbildungskursen zur Erlangung der Facharztbezeichnung Arbeitsmedizin und der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin zugrunde zu legen. Den Weiterzubildenden soll das Kursbuch eine Orientierung im Hinblick auf die zu vermittelnden Inhalte geben und die Möglichkeit schaffen, auf Grund der Vereinheitlichung an unterschiedlichen Akademien ihre Kurse absolvieren zu können.


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(Muster-)Kursbuch Arbeitsmedizin / Betriebsmedizin 2. Auflage, Stand 20.04.2007