Befragungsstudie zum Programm docs@work – Ausgewählte Ergebnisse
Das Projekt docs@work des VDBW wurde vom Institut für Arbeit und Gesundheit mit einer Befragungsstudie begleitet. Dabei wurden die acht Finalteilnehmer über teilstandardisierte Telefoninterviews zu ihren Erwartungen, Eindrücken und Erfahrungen befragt. Die Interviews fanden jeweils vor und kurz nach den Aktionstagen in Hamburg statt. Im Frühjahr nächsten Jahres sollen die Teilnehmer zum dritten Mal befragt werden. Neben konkreten Fragen zur Aktion, den Aufgaben, den Unternehmen und dem organisatorischen Ablauf ging es in den Interviews vor allem um das Bild der Teilnehmer zum Beruf des Arbeitsmediziners.
Vor docs@work: Zwei Bilder über Tätigkeit und Person des Arbeitsmediziners
Vor dem Projekt gab es zwiespältige Vorstellungen der Befragten zu Tätigkeit und Person. Als charakteristisch für die Tätigkeit beschrieben die Teilnehmer das strukturierte, vielfältige Arbeiten im interdisziplinären Team bei familienfreundlichen Arbeitszeiten. Auch die praktischen Betriebsbegehungen und den medizinischen Beitrag zur menschengerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen empfand man als positiv. Inhaltlich wurden das präventive Arbeiten eines Arbeitsmediziners, der Gesundheitsmanagement-Aspekt sowie in größeren Betrieben die Erfordernis von Grundlagenkenntnissen in der Notfallmedizin hervorgehoben.
Insgesamt existierte ein ambivalentes Bild, das einerseits eher von negativen Assoziationen geprägt war. Diese bezogen sich auf einen routinemäßig ablaufenden Arbeitsalltag mit vielen unattraktiven Arbeitsaufgaben wie Impfungen oder dem Erstellen von Gutachten sowie der Berücksichtigung zahlreicher Regeln und Vorschriften. Auch wurden der betriebsmedizinischen Tätigkeit geringe Aufstiegsambitionen unterstellt. Das Bild eines typischen Betriebsarztes wurde mit einem sachlich nüchternen, gesetzten und ruhigen älteren Herrn Mitte fünfzig umschrieben, der gerne Anzug und Krawatte trägt. In seinen Arbeitszeiten sei er nur wenig belastet und verübe seine Arbeit zwar gelangweilt, aber dennoch zufrieden.
Es wurde aber auch ein ganz anderer Typ beschrieben: reisefreudiger, aktiver und praxisnaher Mediziner, der Ansprechpartner für alle im Betrieb ist und für seine Verschwiegenheit, Empathie und Durchsetzungsfähigkeit von allen geschätzt und als Vertrauensperson akzeptiert wird. Er ist Mitte dreißig, beherrscht neben einem soliden medizinischen Wissen auch Fremdsprachen, arbeitet gerne und bringt Familie und Job unter einen Hut.
Unmittelbar nach docs@work: Veränderungen in den Ansichten
Nach der Projektdurchführung waren nach Aussage der Befragten deutliche Veränderungen der Ansichten erkennbar. Dabei zeigten sich verschiedene Tendenzen. Für einige der Befragten hat sich das bereits vorhandene Bild des Betriebsmediziners bestätigt. Andere berichteten, dass sich Vorurteile sowohl bestätigt als auch relativiert haben. Eine dritte Gruppe sprach über Veränderungen in ihrem Bild des Arbeitsmediziners. Neu für diese war zum Beispiel die Tatsache, dass Arbeitsmediziner in großen überbetrieblichen Diensten arbeiten können oder auch, dass sie aktiv bei der Neugestaltung von Arbeitsplätzen mitwirken. Insgesamt zeigte sich ein sehr umfangreiches Bild, welches mit positiven Assoziationen verbunden war. Der typische Betriebsmediziner wird nach der Projektdurchführung als lebensfroh, offen, freundlich, aufgeschlossen, locker und entspannt beschrieben, der auch seine Freizeit ausleben kann. Er arbeitet strukturiert nach einer Reihe von Vorschriften und hat dennoch viele Freiräume, Karrierechancen und ein vielfältiges Tätigkeitsfeld. Seine Arbeit ist dynamisch, projektbezogen, präventiv. Er besitzt einen gewissen Sinn für Wirtschaftlichkeit und managt die Gesundheitsförderung in Betrieben. Wieder wurden die Teilnehmer gebeten, typische Eigenschaften der Arbeits- und Betriebsmedizin zu nennen. Als wichtigste Aspekte wurden jetzt das präventive Arbeiten, die Gesundheitsförderung, der Abwechslungsreichtum der Tätigkeit, das projektbezogene Arbeiten und die Zeit für Patienten genannt. Besonders charakteristisch wurde auch das Arbeiten ohne weißen Kittel, die Zusammenarbeit im interdisziplinärem Team und das familienfreundlichere Arbeiten empfunden.
Wandel im Stimmungsbild
Die beschriebenen Veränderungen wurden durch die Auswertung von angebotenen bipolaren Adjektivpaaren gestützt, wobei bei einigen Paarungen der Wandel besonders deutlich wurde. Der größte Umschwung im Meinungsbild ergab sich in der Dimension „angenehm-unangenehm“. Während in der Vorher-Befragung der Beruf noch als „eher angenehm“ beschrieben wurde, wird nun die Tätigkeit eines Arbeitsmediziners als deutlich „angenehm“ dargestellt. Auch bei den Adjektivpaaren „attraktiv-unattraktiv“, „dynamisch-statisch“ und „entgegenkommend-distanziert“ ergaben sich ein Wechsel im Stimmungsbild: Während vor dem Besuch der Unternehmen noch die durchschnittliche Einschätzung galt, die Betriebsmedizin sei als „eher attraktiv“ aber weder „statisch“ und „entgegenkommend“ noch „dynamisch“ und „distanziert“ zu beschreiben, gibt es nun eine deutlichere Positionierung. Man interpretiert nun die Arbeitsmedizin als „attraktiv“, „eher dynamisch“ und „eher entgegenkommend“.
Besonders gut lassen sich die Veränderungen anhand der angegebenen Absicht für die Wahl der Facharztrichtung Arbeitsmedizin verdeutlichen. Während vor der Durchführung des Projekts die eigene Absicht auf einer siebenstufigen Skala durchschnittlich mit „3“ eingeschätzt wurde, wird danach die Absicht mit durchschnittlich „2“ angegeben. Teilweise gab es Veränderungen der Absichtseinschätzung um bis zu drei Punkte. Das heißt, dass die eigene Absicht vor dem Projekt als mittelmäßig und anschließend als sehr hoch eingestuft wurde.
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