Kompletter Ausfall oder nur bedingte Einsatzfähigkeit: In NRW entstehen pro Jahr Kosten von rund 290 Millionen Euro durch kranke Beamte / Arbeitsmediziner bieten Unterstützung an
Karlsruhe, 27. Januar 2010. Die Polizei, dein Freund und Helfer – mit diesem Slogan wurde jahrzehntelang um Verständnis für die Beamten geworben. Jetzt benötigen sie selbst Hilfe, und zwar im medizinischen Bereich. Hoher Krankenstand in Nordrhein-Westfalen hat nicht nur fatale Folgen für die personelle Stärke der Polizei. Neben den individuellen Problemen für jeden einzelnen Beamten, die es ernst zu nehmen gilt, fallen nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hohe Kosten in dreistelliger Millionenhöhe an. Gelder, die auch der Polizei an anderer Stelle fehlen.
Das Problem ist auch den Politikern bekannt. Es wurde am 14. Januar im Innenausschuss des Landtages behandelt. Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) begrüßt, dass dabei auch arbeitsmedizinische Themen eine Rolle gespielt haben. VDBW-Präsident Dr. Wolfgang Panter: „Mit entsprechend konzipierten und konsequent umgesetzten Schritten kann die Arbeitsmedizin einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit von Polizistinnen und Polizisten leisten. Wir setzen uns daher ganz besonders für die Gesundheit dieser Berufsgruppe ein.“ Dabei legen die Arbeitsmediziner vor allem Wert darauf, dass Erkrankungen gar nicht erst auftreten. Dr. Panter: „Sicherlich lassen sich gerade in der Polizeiarbeit nicht alle Risikofaktoren ausschalten – Einsätze z.B. bei Verbrechensbekämpfung oder Demonstrationen bergen natürlich immer Verletzungsgefahren. Aber Arbeitsumfeld sowie die Ausstattung der Arbeitsmittel lassen sich mit Expertise und Konsequenz so verbessern, dass häufige Erkrankungen vermieden oder reduziert werden können.“
Erhebungen in anderen Bundesländern wie Berlin und Niedersachsen, die eine gezielte Gesundheitsförderung bei der Polizei betreiben, haben ergeben, dass Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, der Atemwege und Verletzungs-folgen zu zwei Dritteln für den Arbeitsausfall verantwortlich sind. Der VDBW unterstützt deshalb die These der GdP, dass ergonomische Ausstattung der Einsatzfahrzeuge, besserer Schutz gegen Verletzungen und mehr Sport wesentlich dazu beitragen könnten, den Krankenstand zu reduzieren und Neuerkrankungen zu vermeiden. „Gezielte Gesundheitsförderung in der Polizei hat sich bereits in einigen Bundesländern bewährt. In Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland ist ein solches Instrument überfällig“, appelliert Dr. Panter an die politisch Verantwortlichen in Nordrhein-Westfalen.
Verantwortung für gesunde Polizisten wahrnehmen
Polizeibeamten zu helfen, gesund zu bleiben, sei auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe. „Wer im wahrsten Sinne des Wortes für unseren Staat und seine Bürger den Kopf hinhält, von wem Tag und Nacht 100prozentiger Einsatz erwartet wird, der darf andererseits auch erwarten, dass er nicht auf ergonomisch schlechten Stühlen sitzen muss, die dem Rücken schaden, um nur ein Beispiel zu nennen“, betont Jochen Protzer, Hauptgeschäftsführer des VDBW. Gleichzeitig hätten auch die Bürger ein Recht auf gesunde, einsatzfähige Beamte. Protzer: „Der VDBW will gerne dazu beitragen, dass sich die Situation bei der nordrhein-westfälischen Polizei verbessert.“
VDBW hat hohe arbeitsmedizinische Kompetenz und ist unabhängig
Der VDBW kann Polizei und Politik mit seiner Erfahrung zur Seite stehen. Dabei geht es nicht nur um konkrete medizinische Vorschläge, sondern auch um verwaltungs- und gesetzestechnische Fragen. Arbeitsmediziner verfügen über umfangreiche Erfahrungen, die hilfreich sein können, den gesamten Arbeitsalltag der Polizei unter gesundheitlichen Aspekten erheblich zu verbessern. „Allein in Nordrhein-Westfalen sind über 600 Arbeitsmediziner in unserem Verband engagiert. Mit allen Themen des betrieblichen Gesundheitswesens sind wir bestens vertraut, dabei unabhängig und nicht als Anbieter im Wettbewerb möglicher Dienstleistungen aktiv“, betont Jochen Protzer.
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