„Sie haben Krebs.“ Diese Mitteilung verändert schlagartig das Leben der Betroffenen. Unsicherheit und Ängste sind fortan ständige Begleiter im Alltag des Kranken und seiner Familie.
Pro Jahr erkranken in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts Berlin etwa 436.500 Menschen neu an Krebs. Zwar liegt das mittlere Erkrankungsalter bei 69 Jahren; ein erheblicher Teil der Neuerkrankungen betrifft jedoch Menschen im berufsfähigen Alter. Für sie ist der Betriebsarzt eine wichtige Anlaufstelle auf ihrem Weg zurück in den Alltag.
In den meisten Fällen wird der Kontakt zwischen Betriebsarzt und Krebsbetroffenem erst nach Abschluss der Primärtherapie, oft sogar erst nach einer Anschlussrehabilitation entstehen. Die Fragen, Probleme und Sorgen, die der Mitarbeiter an den Betriebsarzt heranträgt, richten sich dementsprechend auf das Leben mit seiner Erkrankung und auf die daraus resultierenden Herausforderungen. Neben physischen Beschwerden als Folge der Krankheit und/oder Therapie sind dies psychische und psychosoziale Probleme. Je nach persönlicher Lebenssituation spielen auch wirtschaftliche Aspekte wie die finanzielle Absicherung der Familie eine mehr oder weniger große Rolle.
Darüber hinaus werden viele Betroffene durch die Krankheit „stumm“: Sie verschweigen ihre Krankheit – aus Scham, aus Angst vor der Reaktion der anderen, besonders in kleineren und mittleren Betrieben vielleicht auch aus Angst vor beruflichen Folgen. Für sie ist der Betriebsarzt die Anlaufstelle, bei der der Mitarbeiter offen über seine Krankheit reden und der bei Bedarf auch als Mittler zwischen dem Betroffenen und den Kollegen fungieren kann.
Ansonsten bildet der Betriebsarzt idealerweise die Schnittstelle zwischen Betroffenem, Personalleitung, Betriebsrat, Schwerbehindertenbeauftragtem, behandelndem Arzt, Berufsgenossenschaft, Rentenversicherung und Krankenkasse. Auf dem Weg der stufenweisen Wiedereingliederung nach § 28 SGB IX kann und soll er den Mitarbeiter vertrauensvoll begleiten: So kann er körperliche Einschränkungen und seelische Belastungen durch die Krebserkrankung mit den Anforderungen des aktuellen Arbeitsplatzes abgleichen und die Suche nach auf die Bedürfnisse des Betroffenen zugeschnittenen Alternativen aktiv unterstützen.
Die Doppelfunktion des Betriebsarztes als „Fels in der Brandung“ einerseits, als „Lotse im Sturm“ andererseits gilt es stärker als bisher zu kommunizieren. Obligatorische Vorsorgeuntersuchungen oder Gesundheitstage bieten Gelegenheit dazu. Auch Selbsthilfegruppen und Patientennetzwerke sind wichtige Ansprechpartner für an Krebs erkrankte Menschen. Sie tragen erheblich dazu bei, bei der Krankheitsbewältigung zu helfen und die berufliche Wiedereingliederung zu fördern.
Werner Kubitza
Hier finden Krebsbetroffene Rat und Hilfe
Deutsche Krebshilfe e.V.
Buschsstaßr 32
53113 Bonn
Informationsdienst: 0228 - 729 90 95 (Mo. bis Fr. 8:00 - 17:00 Uhr)
E-Mail: beratungsdienst@krebshilfe.de
www.krebshilfe.de
KID - Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
Telefon: 0800 - 420 30 40 (tägl. 8:00 - 20:00 Uhr)
E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de
www.krebsinformationsdienst.de
Die wichtigsten, von der Deutschen Krebshilfe geförderten Krebs-Selbsthilfeorganisationen:
Hier können Betroffene Ansprechpartner in der Region erfragen. Die (Internet-)Adressen finden Sie unter www.krebshilfe.de