Betriebsärzte können bei der Ausarbeitung des Gesundheitstarifvertrags helfen und regen gezielte Präventionsmaßnahmen an: Individuelle Gesundheitsförderung für Erzieherinnen und Erzieher ist gefragt
Karlsruhe, 8. Mai 2009. In dieser Woche streiken zahlreiche Beschäftigte von Kindertagesstätten für einen eigenen Gesundheitstarifvertrag. Der Grund: Wie auch in anderen lehrenden oder pflegerischen Berufen ist die psychische und physische Beanspruchung für Erzieherinnen und Erzieher hoch; über 85 Prozent klagen über Kopf- und Rückenschmerzen, Erschöpfung und Hörverschlechterungen.
Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) setzt sich daher ganz besonders für die Gesundheit dieser Berufsgruppe ein: „Wir helfen bei den aktuellen fachlichen Diskussionen und stehen beratend für die Ausarbeitung eines Gesundheitstarifvertrags für Erzieherinnen und Erzieher zur Verfügung. Darin könnten die gesetzlichen Bestimmungen, darunter das Arbeitsschutzgesetz, präzisiert und ein entsprechender Rahmen für die betriebliche Gesundheitsförderung formuliert werden“, so Jochen Protzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Wichtig ist dem VDBW einerseits ein Rahmen für die systemischen Fragen und andererseits eine Grundlage für auf Erzieherinnen und Erzieher zugeschnittene Maßnahmen. Ziel der Arbeitsmediziner ist es, dass gute betriebliche Bedingungen und Voraussetzungen für die Gesundheit am Arbeitsplatz bestehen und ausgebaut werden, um dadurch die Beschäftigungsfähigkeit der Erzieherinnen und Erzieher langfristig zu erhalten.
Verbesserungen der Arbeitsbedingungen nach Gefährdungsbeurteilung
Dr. Wolfgang Panter, Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, empfiehlt: „Träger von Kindertagesstätten und Betreuungseinrichtungen können durch die ohnehin vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung schnell erkennen, wo Probleme bestehen und daraus schon relativ einfache Maßnahmen ableiten, die im Berufsalltag entscheidend viel bewirken können.“ Für diese individuellen Gefährdungsbeurteilungen ist es wichtig, Arbeitsmediziner einzubeziehen. Dabei können sowohl ergonomische Fragen geklärt als auch gesundheitlich belastende Verhältnisse aufgedeckt werden. Neben verbesserten gesundheitsfördernden Verhältnissen am Arbeitsplatz tragen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen zur individuellen Gesundheitsförderung der Beschäftigten bei.
Einfaches Beispiel aus der Praxis: Erzieher müssten nicht zwingend auf Kinderstühlen sitzen – so könnte der Rücken geschont werden. Auch spezielle Kurse, in denen man lernt, Stress zu bewältigen, oder auch Zirkel zur Gesundheitsförderung können für die Beschäftigten hilfreich sein. Erzieher oder Lehrer, die von Lärm betroffen sind und für die Lärm ein allgemeines Gesundheitsrisiko darstellt, müssen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Als Präventionsexperten und Gesundheitsmanager helfen Betriebsärzte auch in Kommunen, kirchlichen und freigemeinnützigen Einrichtungen den Beschäftigten als Arzt und den verantwortlichen Führungskräften als Berater bei arbeitsbedingten Gesundheitsgefährdungen und in allen Fragen des Gesundheitsschutzes.
Der Schlüssel zur Gesundheit am Arbeitsplatz: Prävention
Die Abstimmung individueller Vorsorgemaßnahmen für spezielle Arbeitssituationen wird zunehmend zur zentralen Aufgabe des Betriebsarztes. „Bei steigendem Veränderungsdruck am Arbeitsplatz ist mehr Gesundheitsmanagement erforderlich, und für die gesundheitliche Prävention ist der Betriebsarzt erster Ansprechpartner. Für jeden Mitarbeiter ist es aber auch wichtig, einen seelischen und körperlichen Ausgleich zur Arbeit zu finden. Regelmäßige Bewegung und Ausgleichssport ist eine gute persönliche Vorsorge – dadurch können viele gesundheitliche Schäden verhindert werden“, so Panter.
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