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Arbeitsmedizin

18.05.09

Arbeitsmedizinischen Rat einholen!

Gesundheitliche Belastung von Erzieherinnen und Erziehern senken!

Die berufliche Belastung und Beanspruchung von Erzieherinnen und Erziehern wird vor dem Hintergrund des Tarifkonflikts gegenwärtig öffentlich diskutiert. Tatsächlich ist diese Berufsgruppe einer Kombination besonderer gesundheitlicher Gefährdungen ausgesetzt:

-       Lärm (Dauerschallpegel teilweise um 85 dB(A))
-       Tragen und Heben (Kleinkinder, Behinderte)
-       Unergonomische Zwangshaltungen (Mobiliar für Kinder)
-       Infektionsgefährdung (Masern, Mumps, Röteln, Windpocken,            
         Keuchhusten; Hepatitis A, B, C; Ringelröteln und Zytomegalie)
-       Komplexe Interaktionsarbeit (Eltern, Kinder, externe Vorgaben).

Dies findet sich vor dem Hintergrund von Personalverknappung und Arbeitsverdichtung. Geradezu wie im arbeitsmedizinischen und arbeitspsychologischen Lehrbuch kommt es bei hoher Arbeitsanforderung und geringer (nicht nur materieller) Entlohnung ohne adäquate Stärkung der mitarbeitereigenen Ressourcen und oftmals mangelnder wahrgenommener Wertschätzung zu übermäßigem „Personalverschleiß“ und hohen Arbeitsunfähigkeitszeiten.

In der Diskussion um einen tätigkeitsspezifischen „Gesundheits-Tarifvertrag“ wird eine Chance bislang kaum diskutiert und viel zu wenig genutzt: Sie basiert formal auf dem Arbeitsschutzgesetz von 1996, das im Februar 2009 geändert wurde. Wesentliche Neuerung bei der Einführung des Gesetzes war die Gefährdungsbeurteilung. Nun das Entscheidende: Bei dieser Gefährdungsbeurteilung unterstützt der Betriebsarzt den Unternehmer, also Betreiber des Kindergartens! Betriebsärzte sind die Spezialisten für Gesundheit am Arbeitsplatz, und sie beraten die Träger und die Mitarbeiter, wie gesundheitlich unproblematisch gearbeitet werden kann. Konkret heißt dies:

-       Lärmminderung (Schallschluckende Decken, „Lärmampeln“)
-       Rückenschonendes Heben
-       Beratung zu ergonomischer Möblierung (ein spezieller höhenverstellbarer 
        Stuhl für Kindergärten kostet soviel wie zwei Arbeits-Ausfallstage!)
-       Arbeitsmedizinische Vorsorge und Impfprophylaxe nach Biostoffverordnung
-       Vermittlung von Kursen zur Stressreduktion und zur Stärkung der
        individuellen Ressourcen

Gesundheitliche Belastungen am Arbeitsplatz können nicht allein durch bessere Gehälter ausgeglichen werden. Fachlicher Rat und individuell maßgeschneiderte Maßnahmen sind gefordert. Die Betriebsärzte sind die Expertinnen und Experten hierfür.

Autor: Prof. Dr. med. Dennis Nowak, Mitglied im Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) und Professor für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München