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Arbeitsmedizin

06.04.11

Berufsdermatologische Seminare für Betriebsärzte

Gelungene Kooperation mit der BGW

Berufsbedingte Hauterkrankungen treten in der betriebsärztlichen Praxis zwar häufig auf, veranlassen Arbeitsmediziner aber nicht immer dazu, alle in diesem Falle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Dies gilt insbesondere für die Einleitung eines Hautarztverfahrens durch Abgabe des Hautarztberichts.

Darauf wies Professor Dr. Christoph Skudlik, ständiger Vertreter des Chefarztes des Instituts für interdisziplinäre dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück und der Abteilung für Dermatologie des BG´lichen Unfallkrankenhauses Hamburg, hin. Er war Referent bei zwei berufsdermatologischen Seminaren, die der Landesverband Hessen des VDBW gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und dem iDerm durchführte.

Im Mittelpunkt stand die Prävention berufsbedingter Hauterkrankungen. Zu Recht: Mit einem Anteil von etwa 30 % sind Berufsdermatosen zahlenmäßig mit Abstand Spitzenreiter im Vergleich aller gemeldeten berufsbedingten Erkrankungen in Deutschland. Das entspricht etwa 18.000 Fällen pro Jahr. Dabei wird nur ein kleiner Teil der tatsächlich in Frage kommenden Erkrankungen als Berufskrankheit angezeigt. Entsprechenden Studien zufolge ist von einer 30- bis 50-fach zu niedrigen Zahl an Meldungen auszugehen.

Das gilt auch für Hautarztberichte. Sie werden generell und insbesondere von Betriebsärzten zu selten und zu spät erstattet. Vielleicht liegt es an dem Begriff, dass er für Dermatologen reserviert sei, vielleicht auch an der Befürchtung, durch falsche Diagnosen Unwissen erkennen zu lassen oder an befürchteten Nachteilen für die gefährdeten Arbeitnehmer. Dabei ist der Hautarztbericht weder für Hautärzte reserviert noch verlangt er dermatologische Spezialkenntnisse. Wichtig ist, dass Maßnahmen ganz einfach in Gang kommen – strukturiert und systematisch und vor allem zum Wohl der gefährdeten Beschäftigten. Eine weitere Vereinfachung des Berichtsverfahrens ist für die nächste Zeit in Aussicht gestellt – das dürfte zu mehr Akzeptanz in der betriebsärztlichen Praxis führen!

Mit gut verständlichen Worten, eingängigen Folien und beeindruckenden Bildern brachte Prof. Skudlik Aufbau und Physiologie der Haut sowie eine Vielzahl von berufsdermatologischen Erkrankungen in Erinnerung. Neben Professor Skudlik referierten Falk Melching, Marco Müller und Claudia Schröder von der BGW. Sie berichteten über das Schutzhandschuhkonzept, BGW-spezifische Präventionsangebote und Maßnahmen für hautkranke Versicherte und das spektakuläre Branchenkonzept Friseure, mit dessen Umsetzung die Berufsgenossenschaft zeigt: Zeitgemäße Prävention muss speziell auf die Klientel zugeschnitten sein, um anzukommen!

Die berufsdermatologischen Seminare waren auch in Hessen eine fachlich fundierte, gelungene Fortbildung, die nicht nur die Verbindung der hessischen Arbeitsmediziner untereinander gestärkt hat; zur Wiederholung an anderer Stelle sehr zu empfehlen!

Dr. med Michael Vollmer
Sprecher der Sektion Selbstständige
Kontakt: michael.vollmer@no-spam.vdbw.de