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Arbeitsmedizin

08.07.10

Europa entdeckt berufsbedingte Hautkrankheiten

Kampagne healthy skin@work. In Deutschland findet vom 20. - 24.09. die Woche der Berufsdermatologie statt um künftig mehr Beschäftigten Zugänge zur Prävention zu eröffnen.

Um die Prävention und die Versorgung von Beschäftigten mit berufsbedingten Hauterkrankungen zu verbessern, hat die Europäische Dermatologische Fachgesellschaft EADV mit einer Kick-off-Veranstaltung im europäischen Parlament die Kampagne „healthy skin@work“ eröffnet. Unter diesem Motto werden in ganz Europa interdisziplinäre Initiativen zu dem Thema starten.

In Deutschland werden die dermatologischen Fachgesellschaften VDBW, DGUV und BMAS in einer konzertierten Aktion auf die geschaffenen Präventionsmöglichkeiten und die „Woche der Berufsdermatologie: 20.09. bis 24.09.2010“ aufmerksam machen. U. a. werden kostenlose Beratungen in Hautarztpraxen in dieser Woche angeboten. Durch zahlreiche Schwerpunktaktionen in Risikoberufen sollen spezielle Angebote an Beschäftigte gemacht werden. Ideen für die praktische Ausgestaltung vor Ort sind willkommen. Die Dunkelziffer von Berufsdermatosen ist nach wie vor hoch, vielen erkrankten Beschäftigen bleiben dadurch die Möglichkeiten einer effektiven modernen Prävention vorenthalten. Hieran will die Kampagne etwas ändern. „healthy skin@work“ wird von der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz (NAK)[1] unterstützt und birgt damit die besondere Möglichkeit für Betriebsärzte, auf die Leistungsfähigkeit der betriebsärztlichen Versorgung in Deutschland aufmerksam zu machen.


Die mit Abstand häufigste Gesundheitsgefahr an Arbeitsplätzen stellen berufliche Hautkrankheiten dar. Mehr als 25 % aller beruflichen Erkrankungen in der Europäischen Union betreffen die Haut, in der Altersgruppe der 15-25Jährigen sind es sogar 90 %. Eine aktuelle Analyse der European Agency for Safety and Health at Work (OSHA) klassifiziert Hauterkrankungen als weiter wachsendes Risiko an Arbeitsplätzen. Überwiegend handelt es sich um irritative und allergische Kontaktekzeme, vorwiegend der Hände. Nicht selten nehmen Berufsdermatosen hochchronische Verläufe, das gilt besonders, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt, diagnostiziert und behandelt werden. Die zunehmende Zahl von Menschen mit atopischer Disposition in der Bevölkerung vergrößert das Problem und erschwert die Differenzialdiagnose.

Es wird geschätzt, dass durch berufliche Hautkrankheiten vor allem durch Produktivitätsverlust in Europas Betrieben Kosten von über 5 Milliarden Euro jährlich anfallen, in der Bundesrepublik sind es allein ca. 1,5 Milliarden Euro. Für die betroffenen Patienten bedeutet die Erkrankung nicht selten sozialen Abstieg, prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder Langzeitarbeitslosigkeit mit gravierenden psychosozialen Konsequenzen. Am häufigsten betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen, bei denen der Arbeitsschutz und die betriebsärztliche Versorgung oft nicht optimal regelt sind. Eine Verbesserung der Prävention ist auch mit einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit gerade dieser Unternehmen verbunden; zweifellos ein Argument, das die Erfordernis konsequenter betriebsärztlicher Betreuung solcher Unternehmen unterstreicht.

Während in manchen europäischen Ländern die Prävention berufsbedingter Hauterkrankung noch in den Kinderschuhen steckt, sind in der Bundesrepublik mit dem Stufenverfahren Haut gute Voraussetzungen für eine gezielte Prävention geschaffen worden. Mit der Festschreibung gestufter Präventionsmaßnahmen je nach Schwere der Erkrankung unter Stärkung des ambulanten Heilverfahrens, Hautschutzseminaren und stationär ambulant vernetzter Heilverfahren bei schweren Berufsdermatosen lassen sich bemerkenswerte Erfolge demonstrieren. Nach dem Ergebnis einer aktuellen bundesweiten DGUV-Studie konnten 80 % selbst der von schweren Berufsekzemen Betroffenen am Arbeitsplatz verbleiben; die Häufigkeit von Arbeitsunfähigkeit sank um über 60 %.

Nach wie vor ist aber die große Dunkelziffer von Berufsdermatosen ein erhebliches Problem (geschätzt werden mindestens 2 Millionen Betroffene, gemeldet werden der gesetzlichen Unfallversicherung jährlich 18.000); in den meisten Fällen könnte durch rechtzeitige Meldung und rasche Einleitung präventiver Maßnahmen die Entstehung einer Berufskrankheit verhindert werden. Auf die Möglichkeit für den Betriebsarzt, einen Hautarztbericht zu erstatten bzw. der Überweisung zum Dermatologen mit dem Vordruck F 2900 sei verwiesen (www.dguv.de/formtexte/aerzte/index.jsp). Eine aktuelle deutsche Feldstudie an 1355 Beschäftigten aus der Metallindustrie zeigt, dass bis zu 50 % der Beschäftigten ein Handekzem haben. Nur ein kleiner Teil der bestehenden Berufsdermatosen sind den Unfallversicherungsträgern bekannt. Dementsprechend bleiben den Versicherten Ansprüche, die sie an die gesetzliche Unfallversicherung haben, vorenthalten.

Hieran etwas zu ändern, ist die Aufgabe der deutschen Trägerkampagne unter dem europäischen Dach, die in der Woche der Berufsdermatologie vom 20. bis zum 24.09.2010 gipfelt. Das Ziel ist, die breite Öffentlichkeit über die Möglichkeiten der Prävention berufsbedingter Hauterkrankungen zu informieren und u.a. durch kostenlose Beratungen in Hautarztpraxen die Schwellen zur Inanspruchnahme von Präventionsangeboten so niedrig wie möglich zu gestalten. Durch zahlreiche Schwerpunktaktionen in den Betrieben sollen unter demselben Aspekt in dieser Woche spezielle Angebote an Beschäftigte an Risikoarbeitsplätzen gemacht werden. Wenn, dann wird es nur gemeinsam gelingen, die Dunkelziffer bei berufsbedingten Hauterkrankungen  im Interesse der betroffenen Beschäftigten zu senken. Es liegen übereinstimmende Daten aus verschiedenen Ländern, in denen in Schwerpunktbereichen präventive Intervention an Risikoarbeitsplätzen erfolgte, vor, die den Erfolg solcher Maßnahmen belegen. Früherkennung sowie Schulungen („Hautschutzseminare“) haben sich dabei als grundlegend erwiesen. Ein besonderer „Risikofaktor“ ist der Informationsmangel, der an vielen Arbeitsplätzen anzutreffen ist. Ein Nachholbedarf besteht hier in ganz Europa. Die OSHA stellt fest: „In großem Umfang könnten berufsbedingte Hauterkrankungen vermieden werden durch eine Kombination von technischen und organisatorischen Maßnahmen, die das Ziel haben, Expositionen der Haut gegenüber Risikofaktoren zu vermindern. Eine präzise und frühe Diagnose ist unabdingbar für eine erfolgreiche Behandlung.“ Wer früh hilft, hilft doppelt! Ideen und Aktivitäten sind willkommen, machen Sie diese Kampagne durch Aktionen und Aufklärung in Ihrem Betrieb zu Ihrer Kampagne!


[1] In der NAK sind die für den Arbeitsschutz zuständigen Behörden des Bundes und der Länder sowie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) vertreten. Im Rahmen der gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) - als Schwerpunktaktion bis 2012 - versucht die NAK arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verringern. Berufsbedingte Hauterkrankungen ist dabei neben musculoskelettalen Erkrankungen und Arbeitsunfällen eins der drei Hauptthemen.

 
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