Deutscher Bundestag
Ausschuss für Gesundheit
z.Hd. der Vorsitzenden Dr. Carola Reimann, MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Öffentliche Anhörung am 30.11.2011 zu den Anträgen hinsichtlich Prävention und Gesundheitsförderung
- schriftliche Stellungnahme
Sehr geehrte Frau Ausschussvorsitzende Dr. Reimann,
vielen Dank für die Einladung als Sachverständiger zur Anhörung des Ausschusses für Gesundheit hinsichtlich Prävention und Gesundheitsförderung. Zu dieser Thematik nehme ich zusammenfassend wie folgt Stellung.
Die Arbeitsmedizin hat Zugang zu rund 39 Millionen Erwerbstätigen und damit den Schlüssel der Präventivmedizin für die Beschäftigten in der Hand. Die Arbeitsmedizin umfasst als das präventivmedizinische Fach die Wechselbeziehungen zwischen Arbeit und Beruf einerseits sowie Gesundheit und Krankheiten andererseits, die Förderung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit des arbeitenden Menschen, die Vorbeugung, Erkennung, Behandlung und Begutachtung arbeits- und umweltbedingter Erkrankungen
und Berufskrankheiten, die Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefährdungen einschließlich individueller und betrieblicher Gesundheitsberatung und die berufsfördernde Rehabilitation.
In Deutschland brauchen wir aus vielerlei Gründen unzweifelhaft ein deutliches Mehr an Prävention und Gesundheitsförderung. Es wird leider zugelassen, dass viele Menschen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden - aufgrund von Erkrankungen, die durch Präventionsmaßnahmen vermeidbar wären, beispielsweise degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparats, psychosomatische und psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Prävention zugängliche Krebserkrankungen sowie
chronische Bronchitis und chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen. Durch
gesundheitliche Prävention kann die für Menschen wie Unternehmen xistenziell
notwendige Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig gesichert werden.
Die Erfolgsgeschichte des klassischen Arbeits- und Gesundheitsschutzes zeigt, wie effektiv Prävention Abhilfe schaffen kann. Dazu bringen die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) und der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) ihre Erfahrung und Expertise gerne in die Diskussion ein. Die Studie “Vorteil Vorsorge – Die Rolle der betrieblichen Prävention für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland“ von Booz & Comapany im Auftrag der Felix Burda Stiftung zeigt ebenfalls überdeutlich, dass verstärkte betriebliche Prävention als Investition in die Zukunft des Standortes Deutschland notwendig ist. Wirksamkeit und
Rentabilität betrieblicher Gesundheitsvorsorge zeigen überzeugende Ergebnisse. Neben vielen Akteuren im Gesundheitsbereich sind es vor allem Betriebsärzte, die auch diejenigen Menschen – auch aus unteren sozialen Schichten - erreichen, die aus eigener Initiative keine präventiven Maßnahmen ergreifen.
Deshalb sehen wir die dringende Notwendigkeit der Umgestaltung des
Gesundheitswesens. Dazu gehören folgende Handlungsempfehlungen:
Prävention und Gesundheitsförderung ins Zentrum des Gesundheitswesens
bringen Prävention und Gesundheitsförderung sollte integraler Bestandteil
der Gesundheitsversorgung sein
Anreize zur Entwicklung betrieblicher Präventionskonzepte durch
Krankenkassen
Ausbau der Forschungsförderung, insbesondere der Präventionsforschung
Kooperationen zwischen Sozialversicherungsträgern und Unternehmen
Vermittlung gesundheitlicher Aspekte in der beruflichen Qualifizierung
Ausbau der Arbeitsmedizin zur zentralen Säule der Gesundheitsvorsorge zur
Sicherung eines nachhaltigen Präventionserfolgs
Zur Stärkung der gesundheitlichen Prävention in Deutschland brauchen wir:
Vorgabe klarer politischer Ziele
Festlegung präventiver Gesundheitsziele für die Bundesrepublik Deutschland
transparente Rahmenbedingungen und sinnvolle Anreize für Prävention im
Setting Arbeitswelt
Prävention und Gesundheitsförderung muss in den Mittelpunkt der Reform des
Gesundheitswesens gestellt werden. Ein erster wichtiger Schritt wäre die Ausweitung der Unterstützungsmöglichkeiten der betrieblichen Gesundheitsförderung durch die Krankenkassen. Gleichzeitig sollte sich die öffentliche Forschungsförderung auf einige Kernbereiche konzentrieren: interdisziplinäre Arbeitsforschung, Präventionsforschung, Gesundheitspädagogik, Arbeitswissenschaft und Arbeitsmedizin. Ergänzt durch eine bessere Kooperation zwischen Unternehmen, Rentenversicherungsträgern und Krankenversicherungen ließe sich so die Effektivität des Gesundheitssystems erheblich steigern. Wichtig ist eine Kultur des lebenslangen Lernens, die neben der beruflichen Qualifizierung auch gesundheitliche Aspekte vermittelt - unabhängig von Bildungsniveau
und sozialem Status. Daher müssen wir die förderlichen Rahmenbedingungen schaffen, um die Menschen besser zu einem kompetenten und eigenverantwortlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit zu befähigen.
Um die einzelnen Ziele zu konkretisieren, die erforderlichen Maßnahmen zu definieren und zu priorisieren, die Umsetzung durch konkrete Vorgaben und Entscheidungen vorzubereiten und die Finanzierung zu gewährleisten sind wir gerne bereit, mit allen politischen, institutionellen und gesellschaftlichen Verantwortungsträger zusammen zu arbeiten. Wichtig ist, dass wesentliche, wissenschaftlich fundierte wie praxistaugliche Ansatzpunkte hervorgebracht werden, wie das Gesundheitssystem präventiv umgestaltet werden kann. Zur aktiven Mitarbeit sind wir gerne bereit.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolfgang Panter
Präsident
Einladungsschreiben Deutscher Bundestag
Antrag 17/5384
Antrag 17/5529
Antrag 17/6304