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Arbeitsmedizin

06.04.11

Organtransplantation – Felder betriebsärztlichen Handelns

Wiedereingliederung chronisch Kranker und Leistungsgeminderter mit Organversagen in das Berufslebens nach Organtransplantation (z.B. Niere) oft möglich.

Durch Transplantation von Spendernieren (von Lebenden oder Verstorbenen) werden jährlich 2.200 – 2.300 chronisch Nierenkranke gesundheitlich rehabilitiert (über 90 % Erfolgschancen). Diese können meist auch wieder ins Berufsleben integriert werden! Propagierung der Organspende in Betrieben durch Betriebsärzte könnte die Zahl der Organspender sowie Organempfänger in Deutschland und damit dem Arbeitsleben wieder zur Verfügung stehenden Rehabilitanden auf ein Mehrfaches steigern.

Dazu einige Zahlen: In der Bundesrepublik gibt es ca. 70.000 dialysepflichtige, terminal niereninsuffiziente Patienten. Davon nehmen nur etwa 5 % an der Heimdialyse oder Peritonealdialyse teil, d.h. körperlich oder psychisch flexible jüngere Patienten (Nachtdialysen), die noch bedingt im Arbeitsleben stehen. Etwa 25% weitere Dialysepatienten erfüllen die medizinischen Voraussetzungen für eine Transplantation, also etwa 15.000 Patienten – sie stehen auf Wartelisten zur Transplantation. Es handelt sich dabei um überwiegend jüngere Patienten mit noch nicht allzu lange bestehenden Niereninsuffzienz, die auch noch im Arbeitsprozess stehen bzw. stehen könnten bzw. wegen der Niereninsuffizienz und der mit der Hämodialyse verbundenen organisatorischen Probleme ihre Tätigkeit nicht mehr oder nicht mehr voll erfüllen können. Von diesen 15.000 geeigneten Dialysepatienten können mangels Spenderorganen jährlich nur 2.300 transplantiert werden. Über 12.000 müssen mit zunehmenden gesundheitlichen Problemen in der Dialyse verbleiben, die letztlich auch die Transplantation verhindern. Der jährliche Zuwachs an Dialysepatienten beträgt andererseits ebenfalls ca. 15.000 neue Patienten, davon sind wiederum 25 % für eine Transplantation geeignet, also über 3.500 kommen neu auf die Warteliste. Fast die gleiche Zahl von Patienten scheidet aus der Dialyse aus, weil sie versterben. Nur knapp 2.300 können transplantiert werden, die Warteliste wird von Jahr zu Jahr größer. Der Transplantationserfolg für Jüngere beträgt derzeit über 90 %, d. h. für mehrere Jahre nach der Transplantation ist heute eine völlige gesundheitliche Rehabilitation und Rückbildung der durch die Niereninsuffizienz und der Dialyse bedingten medizinischen Probleme möglich. Diese jüngeren Patienten können meist voll wieder in ihren Beruf zurückkehren. Bei geeigneter Zahl von Spendernieren könnte die Zahl der Transplantierten erheblich erhöht werden – damit könnte einerseits die Warteliste verringert werden, aber auch die transplantablen Neuzugänge zeitnah optimal therapiert werden, bevor Dauerschäden auftreten. Gelingt es, diese Zahl der Spenderorgane deutlich zu erhöhen, könnten jedes Jahr viele Patienten medizinisch rehabilitiert werden und da es sich in der Regel um jüngere Menschen handelt, auch wieder in den Arbeitsprozess integriert werden. Einschränkungen gibt es für Transplantierte im Berufsleben wenig. Bei genügend Organen könnten jährlich mehrere tausend Menschen zusätzlich wieder in den Arbeitsprozess und in ihre soziale Umwelt voll zurückkehren.

Angesichts knapper werdender Ressourcen an qualifizierten Mitarbeitern in allen Bereichen unserer Gesellschaft ist es nicht nur eine soziale, medizinische und ethische Verpflichtung, die Bereitschaft zur Organspende zu unterstützen. Diese ergibt sich auch für Betriebe und Einrichtungen unter dem Aspekt, erfahrene, kompetente und gut ausgebildete Mitarbeiter nicht dauerhaft zu verlieren.

Unter gesundheitspolitischen und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten ist eine
Transplantation mit Erhalt der Berufstätigkeit fast immer günstiger als eine langjährige Dialysebehandlung und Frühberentung. Ich halte die Thematik für ein wichtiges Feld betriebsärztlichen Handelns. Wir wären als Betriebsärzte und Arbeitsmediziner fachlich prädestiniert und an der richtigen Schnittstelle positioniert, die Information über die medizinischen Zusammenhänge an die Beschäftigten unserer Betriebe und die Firmenleitungen weitergeben und damit die Bereitschaft zur Organspende fördern – was letztlich allen Beteiligten zu Gute kommt und wertvolle menschliche Ressourcen für dringliche Aufgaben in unserer Gesellschaft und im Arbeitsprozess erhält.

Dr. Dietrich Tesch, Facharzt für Arbeitsmedizin der BG BAU zum Thema Organtransplantation

 
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