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Arbeitsmedizin

19.04.10

Hautschutz – eine wichtige Aufgabe für den Betriebsarzt

Problemstellung
Arbeitsbedingte Hauterkrankungen sind nach wie vor ein großes Problem in industrialisierten Ländern. Die Entwicklung eines schweren Handekzems ist jedoch kein unabwendbares Schicksal. Oftmals bestehen minimale Hautveränderungen jahrelang, bevor dann letztendlich ein therapieresistentes Ekzem zur Berufsaufgabe zwingt. Wissenschaftlich belegbar können mit primärpräventiven Maßnahmen (Ersatzstoffe, Automatisierung, Arbeitsorganisation) und mit dem Instrumentarium  der Sekundärprävention (arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, individualmedizinische Beratung und Schulung, gezielte Frühtherapie) Hauterkrankungen effektiv verhütet werden.


Seit vielen Jahren wird der dreistufige Hautschutzplan als sinnvolles Instrument zur Prävention beruflicher Hauterkrankungen propagiert. Der Hautschutzplan besteht aus den drei Elementen Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege. Es wird allgemein angenommen, dass die Applikation einer Hautschutzcreme vor Arbeitsbeginn die Haut bei hautbelastenden Tätigkeiten schützt und die abschließende Anwendung eines Hautpflegepräparates die Regeneration der epidermalen Barriere fördert, wenngleich der präventive Nutzen dieser Maßnahme bislang noch nicht in kontrollierten klinischen Studien belegt wurde. In der Oktoberausgabe 2006 VDBW aktuell hatte ich die Verbandsmitglieder um Unterstützung bei der Durchführung einer Studie zu dieser Fragestellung gebeten.

Wie ist die Akzeptanz von Hautschutz- und Hautpflegeprodukten im Betrieb?
Der Erfolg jeder primärpräventiven Maßnahme am Arbeitsplatz, also auch der des dreistufigen Hautschutzplans, hängt von drei wichtigen Faktoren ab:

1.             von der Effektivität der Maßnahme an sich

2.             von der Implementierung der Maßnahme in einen Betrieb

3.             und sofern es sich um Maßnahmen handelt, die die persönliche Schutzausrüstung betreffen, von der Compliance der Beschäftigten bei der Umsetzung dieser Maßnahme.

Die Akzeptanz für das dreistufige Hautschutzkonzept wurde bei 1355 Beschäftigten aus insgesamt 19 Betrieben der metallbearbeitenden Industrie untersucht (Kütting et al. 2009 a). In den von uns untersuchten Betrieben berichteten 52,4% aller Teilnehmer an Hauterkrankung an den Händen zu leiden bzw. jemals gelitten zu haben. Trotzdem gaben nur 28% der Untersuchten an, Hautschutz- und Hautpflegepräparate anzuwenden. 29% wendeten nur Hautschutzprodukte und 14% nur Hautpflegeprodukte an, 29% verneinte jeglichen Gebrauch von Hautschutz- oder Hautpflegepräparaten. Im Vergleich zu den Frauen war die Compliance der Männer bei der Umsetzung des Hautschutzkonzepts signifikant schlechter. Von Probanden mit einem Handekzem in der Anamnese wurden signifikant häufiger Hautschutz- (Prävalenzratio (PR): 1,15; 95% KI: 1,03-1,28) und Hautpflegepräparate (PR: 1,15; 95% KI: 1,05-1,27) angewendet. Vergleicht man diese vier Anwendergruppen hinsichtlich ihres Hautzustandes, so konnte kein signifikanter Unterschied gefunden werden. Dies deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien und dürfte Folge davon sein, dass in unserer Studie Personen mit Ekzemerfahrung häufiger Hautmittel angewendet haben.

Obwohl die Anwendung von Hautschutz- und Hautpflegepräparaten in Deutschland seit vielen Jahren propagiert wird und trotz der relativ großen Anzahl von Arbeitnehmern mit Hauterscheinungen an den Händen, ist die Compliance zur Anwendung von Hautschutzmaßnahmen unter den Beschäftigten gering.

Sind Hautschutz- und Hautpflegemittel effektiv zur Verhütung von beruflich bedingten Hautkrankheiten?
In einer Interventionsstudie wurde die Wirksamkeit des allgemein propagierten Hautschutzkonzepts untersucht (Kütting et al. 2009 b).

Insbesondere sollten die beiden Fragen beantwortet werden:

1.         Welchen Einzelbeitrag leisten die Elemente Hautschutz und Hautpflege?

2.         Ist das Hautschutzkonzept ein sinnvolles Instrument zur Primärprävention beruflich bedingter Hauterkrankungen?

Für die Interventionsstudie konnten 1020 freiwillige, arbeitsfähige, männliche Probanden für die prospektive vierarmige Interventionsstudie rekrutiert werden, die bereit waren, sich per Randomisation einer von insgesamt vier Maßnahmen zuteilen zu lassen und diese Maßnahme konsequent über 1 Jahr umzusetzen. Die Randomisation erfolgte betriebsweise zu einer der vier Gruppen (Hautpflege, Hautschutz, Hautschutz und Hautpflege und eine Kontrollgruppe ohne Empfehlung). Es wurden die Hautmittel verwendet, die im jeweiligen Betrieb bereits vorhanden waren.

Jeder Proband wurde exakt 12 Monate nachbeobachtet. Insgesamt dreimal während der einjährigen Beobachtungsdauer wurden beide Hände mit Hilfe eines quantitativen Hautscores untersucht und ein standardisiertes Interview durchgeführt. Die Veränderungen des Hautscores nach 1 Jahr im Vergleich zum Ausgangsbefund wurden als primäres outcome definiert. Arztbesuche und Arbeitsunfähigkeiten wegen eines Handekzems wurden als Surrogat für die Erkrankungsschwere im Beobachtungszeitraum erfasst.

Nach 12 Monaten konnten 800 Probanden in die Auswertung einbezogen werden (78,4% aller rekrutierten Probanden). Die Compliance, die randomisierte Maßnahme zu befolgen, hing von der jeweiligen Maßnahme ab und reichte von 73,7% bis 88,7%. Während in der Kontrollgruppe eine signifikante Verschlechterung des Hautbefunds zu verzeichnen war, war die größte und signifikante Verbesserung in der Gruppe zu beobachten, die Hautschutz- und Hautpflegemittel anwendeten. Am zweitbesten schnitt die alleinige Anwendung von Hautschutz ab.

Eine Arbeitsunfähigkeit wegen eines Handekzems innerhalb des Beobachtungszeitraums von 12 Monaten trat nur bei drei Probanden (0,4%) auf. Diese drei Probanden gehörten zu der Gruppe ohne jegliche Intervention, d.h. die Probanden erhielten keinerlei Empfehlungen zum Hautschutz- und Hautpflegeverhalten. Gleichzeitig gehörten diese Probanden auch zu den Personen, die tatsächlich komplett auf die Anwendung von Hautschutz- und Hautpflegepräparaten verzichteten.

Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass das Hautschutzkonzept effektiv in der Prävention beruflich verursachter Handekzeme ist. Daher sollte die Akzeptanz, das Hautschutzkonzept vorschriftsmäßig umzusetzen, unter den Beschäftigten gesteigert werden.

Zusammenfassung uns Schlussfolgerungen

» Die Compliance für die korrekte Anwendung des Hautschutzkonzepts ist unter den Beschäftigten der metallbearbeitenden Industrie insgesamt gering.

» Die Akzeptanz für die korrekte Anwendung des Hautschutzkonzepts ist am höchsten unter den Beschäftigten, die aktuell unter Hautveränderungen an den Händen leiden oder in der Vergangenheit bereits gelitten haben. Diese Beobachtung kann als Hinweis dafür gewertet werden, dass Schutzmaßnahmen am besten akzeptiert und befolgt werden, wenn die Betroffenen den Sinn dieser Maßnahmen nachvollziehen können.

» Die Anwendung von Hautmitteln hat sich als effektive Maßnahme zur Verhütung beruflich bedingter Hauterkrankungen bestätigt. Die Anwendung von Hautschutz- und Hautpflegmitteln ist geringfügig der alleinigen Anwendung von Hautschutz- aber deutlich der alleinigen Anwendung von Hautpflegemitteln überlegen.

» Hautschutz alleine und in Kombination mit Hautpflege ist als ein sinnvolles Instrument der Primärprävention zu betrachten.

Die Studie wurde mit Mitteln der DGUV und der Franz-Kölsch Stiftung e.V. durchgeführt.



Unser besonderer Dank gilt den betriebsärztlichen Kolleginnen und Kollegen, die uns bei der Rekrutierung der Kollektive unterstützt haben und ohne die diese Studie nicht erfolgreich hätte durchgeführt werden können.

1.    Drexler H, Kütting B. Arbeitsmedizinische Prävention – insbesondere Sekundärprävention - von Hauterkrankungen im Rahmen der arbeits-medizinischen Vorsorge. Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 2005; 40: 640‑645.

2.    Kütting B,Weistenhöfer W, Baumeister T, Uter W, Drexler H. Currentacceptance and implementation of preventive strategies for occupational hand eczema in 1355 metal workers in Germany. Br J Dermatol 2009a; 161: 390‑396.

3.    Kütting B, Baumeister T, Weistenhöfer W, Pfahlberg A, Uter W, Drexler H: Effectiveness of skin protection means in prevention of occupational hand eczema: results of a prospective randomized controlled trial over a follow-up period of one year.
Br J Dermatol 2009b.
[Epub ahead of print, 1 Sep].
DOI 10.1111/j.1365-2133.2009.09485.x

 
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