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Arbeitsmedizin

01.06.11

Änderungen der Fahrerlaubnisverordnung

In der 5. Verordnung zur Änderung der Fahrerlaubnisverordnung 17.12.2010 (BGBL I, 2279) sind einige betriebsärztlich relevante Untersuchungskriterien verändert worden. Die FEV-Änderung tritt in Kraft. Leider hatte der Verband, wie auch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft keine Gelegenheit, während der Anhörung Stellung zu nehmen. Als Berufsverband weisen wir auf Folgendes hin:

Anlage 6; eingefügter Satz in Nr. 1.2
Durch den G 25 haben Betriebsärzte Erfahrungen mit der Untersuchung und Beurteilung von Dämmerungs- oder Kontrastsehen. Für LKW- und Busfahrer zählt dies bereits jetzt zu den Mindestanforderungen. Hinsichtlich der geforderten Kontrastwerte empfehlen wir, die Grenzwerte für Busfahrer, LKW- Fahrer und der Fahrgastbeförderung generell bei 1:5 zu vereinheitlichen. Ein unterschiedlicher Grenzwert ist aufgrund des Gefährdungspotentials in Verbindung mit den Gefährdungsbeurteilungen sachlich nicht zu begründen.

Medizinisch relevant ist, dass bei Menschen über 50 Jahre immer häufiger Trübungen der brechenden Medien des Auges (Linse, Glaskörper usw.) auftreten. Diese Trübungen verschlechtern das Kontrastsehen und erhöhen die Blendempfindlichkeit. Gleichzeitig können vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung die Voraussetzungen für das Kontrastsehen oder Dämmerungssehen nicht so hoch gesetzt werden, dass dadurch sehr viele Fahrer keine Fahrerlaubnis mehr erhalten, bzw. verlängert werden. Es gibt eine Studie von Lachenmayr (gemeinsam mit der BAST) von 1996, bei der 760 Unfallfahrer mit 260 normalsichtigen Personen verglichen wurden. Das Ergebnis war, dass diese relativ häufig eine Verminderung der Sehschärfe und ein gestörtes Dämmerungs- und Kontrastsehen hatten. Die Diskussion um das Dämmerungs- und Kontrastsehen ist seit langem bekannt und nachvollziehbar; allerdings fordern wir, dass Grenzwerte und Geräte sinnvoll gestaltet sind. Wir halten die zwingend vorgeschriebenen Untersuchungen für unter 50-jährige medizinisch nicht für sinnvoll, da hier Störungen des Kontrastsehens und der Blendempfindlichkeit wesentlich seltener vorkommen. Wir schlagen vor, diese Untersuchung bei jüngeren Altersgruppen auf die Fälle zu beschränken, in denen Zweifel bestehen und plädieren dafür, die Entscheidung in die Verantwortung des Arztes zu legen. Hinzuweisen ist darauf, dass die zusätzlichen Überprüfungen den zeitlichen Untersuchungsaufwand um ca. 10 Minuten und damit auch die Kosten erhöhen.

Geräte zur Testung des Kontrastsehens
Zwei der bisher von der Verkehrskommission der DOG zugelassenen drei Geräte zur Testung des Kontrastsehens in der Dämmerung mit und ohne Blendung (OculusMesotest, Rodenstock Nyktometer 500 und Kontrastometer BKG) werden nach unserem Kenntnisstand seit Jahren nicht mehr gebaut und sind nur noch als Gebrauchtgeräte erhältlich. Es ist jedoch dringend erforderlich, dass es bei der Gerätebeschaffung Alternativen gibt.

Wir unterstützen den Vorschlag, das Kontrastsehen alternativ mit anderen Geräten unter Tageslichtbedingungen zu untersuchen, da dies repräsentativ für das Kontrastsehen unter Dämmerungsbedingungen ist und durch Studien belegt wird. Damit gäbe es weitere geeignete Geräte, mit denen Betriebsärzte diese Screening Methode gut anwenden können. Bei auffälligen Befunden werden die Probanden zur weiteren fachärztlichen Abklärung an Augenärzte überwiesen.

Der Verband hat sich dafür ausgesprochen, generell die geringere Anforderungsstufe 2 gemäß G 25 an das Sehvermögen anzuwenden. Wir plädieren für eine altersbezogene Regelung ähnlich der Psychometrie mit Testung bei Erstuntersuchung für Gruppe 2 (LKW, Personenbeförderung) sowie dann ab dem 50. Lebensjahr (Bus, LKW) bzw. 60. Lebensjahr bei Fahrgastbeförderung. Wir haben empfohlen, das in der Verordnung geforderte „ausreichende Kontrast- oder Dämmerungssehen“ mit einem standardisierten Test unter Tageslichtbedingungen mit Gerätealternativen zu ermöglichen und die Zulassung der Geräte bis zum Inkrafttreten am 1.7.2011 zu veranlassen.



Die wesentlichen Änderungen im Überblick

Änderungen in Anlage 6 Nr. 2.1

» In Nummer 2.1.1 werden die Wörter „Sehschärfe des besseren Auges oder   
   beidäugige Gesamtsehschärfe: 1,0, Sehschärfe des schlechteren Auges:0,8.“
   durch die Wörter „Sehschärfe auf jedem Auge 0,8 und beidäugig 1,0“ ersetzt.

» Nummer 2.1.2 wird wie folgt geändert:
   aa) In Satz 1 werden die Wörter „geprüft mit zwei unterschiedlichen
         Prüftafeln“ durch die Wörter „geprüft mit einem geeigneten Test“ ersetzt.

» Folgender Satz wird angefügt: „Ausreichendes Kontrast- oder    
   Dämmerungsehen, geprüft mit einem standardisierten anerkannten      
   Prüfgerät
.“.

Änderungen in Anlage 4

FeV Anlagen 4 und 6 - Änderungen zum 01.07.2011
pdf-Datei (236 KB) von Dr. med. Giso Schmeißer

Neue gesundheitliche Anfroderungen an die Kraftfahrereignung im Straßenverkehr - Umsetzung von EU-Richtlinien in der 5. Änderungs-Verordnung vom 17.12.2010
pdf-Datei (2,55 MB) von Dr. med. Rolf Kittel