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Der Verband

15.09.11

Ergebnisse der Mitgliederumfrage vom Juli 2010

In der Juli-Ausgabe 2010 von VDBWaktuell hat das Präsidium eine Mitgliederumfrage zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement durchgeführt, um einen Überblick über die Beteiligung und Aktivitäten von Betriebsärztinnen und -ärzten zu gewinnen und den Ausgrenzungsversuchen verschiedener Institutionen oder den teilweise unredlichen Angeboten externer Anbieter erfolgreicher entgegentreten zu können.

An der Umfrage haben sich insgesamt 77 Betriebsärztinnen und -ärzte aus allen Bereichen beteiligt, darunter:
aus Großbetrieben / Werksarztzentren 21
aus überbetrieblichen Zentren / Diensten 38
hauptberuflich in eigener Praxis 11
nebenberuflich in Praxis / Klinik 7

Diese 77 Kolleginnen und Kollegen haben im Jahr 2009 insgesamt 3.551 Eingliederungsfälle, d.h. durchschnittlich 46 Fälle in Klein-, Mittel- und Großbetrieben betreut und begleitet:

Betriebe mit 1 – 50 Beschäftigten 267
Betriebe mit 51 – 200 Beschäftigten 566
Betriebe mit > 200 Beschäftigten 2.682

Auch wenn deutlich wird, dass das Betriebliche Eingliederungsmanagement vorrangig in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten etabliert ist und umgesetzt wird, zeigt die Umfrage auch, dass sich Betriebsärzte auch in Kleinbetrieben um die Wiedereingliederung chronisch kranker und schwerbehinderter Menschen kümmern. Die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer geben an, dass in ihrem Betrieb bzw. in einem Teil der von ihnen betreuten Betriebe Betriebsvereinbarungen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement und Integrationsvereinbarungen abgeschlossen worden sind. Immerhin 52 Teilnehmer sind grundsätzlich oder überwiegend fest in das betriebliche Eingliederungsmanagement eingebunden, 20 weitere teilweise, nur eine Antwort ist negativ.

Allerdings geben 16 Teilnehmer an, dass ihre Rolle als Betriebsarzt in der Betriebsvereinbarung nicht verbindlich und 8 weitere, dass sie nur marginal geregelt sei. 54 Teilnehmer schätzen das Betriebliche Eingliederungsmanagement als erfolgreich oder sehr erfolgreich ein, weitere 29 als nützlich. Als weniger nützlich oder überflüssig bewertet es kein Teilnehmer. Auch die betriebliche Akzeptanz des Eingliederungsmanagements wird insgesamt hoch eingeschätzt. Verbesserungsbedürftig ist insbesondere noch die Akzeptanz durch die Beschäftigten:

hohe
Akzeptanz bei      ja            überwiegend       teils /teils               gelegentlich           nein

Betriebs-
Personalleitung    35           26                           14                           4                             2  

Betriebs-
Personalrat          42           22                           10                           4                             2

Beschäftigten      25           29                           16                           9                             3

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass die 77 teilnehmenden Betriebsärzte 2009 insgesamt 867 Medizinische Rehabilitationsmaßnahmen und 758 Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben angeregt und begleitet haben. Dies ist deutlich mehr als die Auswertungen der Fallzahlen in den Regionen, in denen Kooperationsvereinbarungen mit Rentenversicherungsträgern bestehen, vermuten lassen. Allerdings zeigt die Umfrage auch, dass arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen oder Betriebsbegehungen noch nicht überall regelhaft genutzt werden, um Rehabilitations- oder Teilhabebedarf zu identifizieren und Maßnahmen proaktiv einzuleiten:

Identifikation
und Einleitung von
Maßnahmen                      häufig                    gelegentlich                             nie

medizinische
Reha-Maßnahmen              24                           45                                          10

berufliche Reha-
Maßnahmen                        25                           38                                          14

Auch Gespräche zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit nach Rückkehr aus der Medizinischen Rehabilitation und insbesondere wiederholte Beratungsgespräche in längeren Zeitabständen werden häufig aber noch nicht grundsätzlich und systematisch geführt:

                                                                  häufig                   gelegentlich                         nie
Eingliederungsgespräche
nach Rückkehr aus der
Reha                                                          47                           31                                        2

 Wiederholungsgespräche                        21                           49                                        9

Hinsichtlich der Kooperationspartner finden sich deutliche Unterschiede in Abhängigkeit von der Betriebsstruktur und der Form der betriebsärztlichen Betreuung: Während in Großbetrieben und Werksarztzentren bevorzugte Kooperationspartner betriebliche Akteure, insbesondere die Personalabteilung, der Betriebsrat, die Betriebs- und Abteilungsleitung und die Schwerbehinderten-Vertretung sind, sind dies bei Ärzten aus überbetrieblichen arbeitsmedizinischen Zentren / Diensten eher externe Akteure, insbesondere Sozialleistungsträger wie Rentenversicherungen, Krankenkassen und Unfallversicherungen.

Auch die gemeinsamen Servicestellen und Integrationsfachdienste werden häufig in Anspruch genommen, auf betrieblicher Ebene ist die Kooperation am weitesten mit der Schwerbehinderten-Vertretung entwickelt. In dieser Gruppe ist auch die Kooperation mit behandelnden Haus- und Fachärzten sowie Klinik und Reha-Klinik am stärksten ausgeprägt. Externe Disability-Manager werden in nennenswertem Umfang eigentlich nur von hauptberuflich in eigener Praxis tätigen Betriebsärzten in Anspruch genommen und werden in anderen Strukturen offenbar nicht benötigt.

Diese Ergebnisse machen deutlich, dass sich hauptberufliche Werksärzte und werksärztliche Dienste beim Eingliederungsmanagement vorrangig auf interne Strukturen stützen, während Betriebsärzte aus überbetrieblichen Zentren / Diensten sehr viel stärker externe Strukturen, wie die Leistungsträger und behandelnden Ärzte und Kliniken, einbinden.

Externe Disability-Manager haben dagegen offenbar nur bei niedergelassenen Arbeitsmedizinern in eigener Praxis Fuß fassen können. In einem Reha-Netzwerk arbeiten allerdings weniger als 10 % mit.

Fazit
Auch wenn die Anzahl der Rückmeldungen mit 77 nicht hoch war, zeigt die Mitgliederumfrage des VDBW, dass Betriebsärztinnen und -ärzte das Betriebliche Eingliederungsmanagement überwiegend aktiv unterstützen und begleiten und in erheblichem Umfang zur Eingliederung von chronisch kranken oder schwerbehinderten Beschäftigten beitragen. Dabei arbeiten sie in Abhängigkeit von der Betriebsstruktur und der Form der betriebsärztlichen Betreuung mit einer Vielzahl von internen und externen Kooperationspartnern zusammen und nutzen diese Netzwerke ergebnisorientiert. Die Mehrzahl der Betriebsärzte ist fest in das Betriebliche Eingliederungsmanagement eingebunden, vielfach ist ihre Rolle auch in Betriebsvereinbarungen festgeschrieben.

Darüber hinaus nutzen sie arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen sowie Betriebsbegehungen zur Identifikation von Reha-Bedarf und leiten in erheblichem Umfang erforderliche Maßnahmen zur medizinischen Rehabilitation sowie zur Teilhabe am Arbeitsleben ein, um die Beschäftigungsfähigkeit wieder herzustellen oder zu erhalten.

Verbesserungsbedarf besteht bei der Information und Aufklärung der Beschäftigten über das Verfahren der betrieblichen Wiedereingliederung sowie hinsichtlich der Sicherstellung der Nachhaltigkeit nach medizinischen oder beruflichen Reha-Maßnahmen z.B. durch regelmäßige Gesprächsangebote in größeren Zeitabständen.

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement, ein Erfolgsmodell in der Hand des Betriebsarztes!

Zur Person
Detlef Glomm
» Facharzt für Arbeitsmedizin, CDMP
» BAD-Zentrum Dithmarschen
» Vizepräsident des VDBW
Kontakt: detlef.glomm@no-spam.vdbw.de