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Aktuelle Themen, Arbeitsmedizin

28.11.14

Gesund, fit und leistungsfährig

Stigmatisierung als „zweite Krankheit“ und die Folgen einer beschädigten sozialen
Identität

Die Stigmatisierung von Menschen in psychischen Krisen verhindert in der Regel eine adäquate Behandlung und führt über ein abwertendes und diskriminierendes Verhalten in der Konsequenz oftmals zur Ausgrenzung der betroffenen Menschen: zu einer Beschäftigung in Werkstätten, zu Arbeitslosigkeit und Frühberentung. Und dies obwohl psychische Krisen erst einmal „nur“ eine Zeit des „Gefährdet-Seins“ bzw. einen „kritischen Wendepunkt in einem Krankheitsverlauf“ markieren. Im günstigsten Fall wird die Krise überwunden und ein neues psychosoziales Gleichgewicht gefunden. Rückblickend kann sie dann „als Entwicklungschance und damit letztlich als positive Erfahrung verstanden werden. Wesentlich für die Krisensituation selbst und die weitere Entwicklung sind neben der Art und Schwere des Ereignisses auch die Verfügbarkeit und die Belastbarkeit des Umfelds, einschließlich der professionellen Helfer. Die gleiche Art  von Krise ist für einen Menschen, der ein stabiles, ihn tragendes Umfeld besitzt, leichter zu bewältigen als für einen Menschen, der über keine ihn befriedigenden sozialen Kontakte verfügt (…). Unterschiede ergeben sich auch dadurch, ob der in eine Krise geratene Mensch schnell professionelle Hilfe findet und annimmt (…). Spätestens hier wird deutlich, dass wir Krisen eigentlich nie nur als individuelles Geschehen betrachten können, sondern dabei immer auch die interaktionelle Dimension berücksichtigen müssen.“ (U. Rauchfleisch 2001) Krisen haben demnach eine soziale bzw. kommunikative Dimension, die Teil der Lösungsfindung ist.


Veröffentlicht in VDBWaktuell Dezember 2014

Artikel mit Literaturnachweis von Ralf Stegmann

 
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