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10.09.13

Beschäftigungsfähigkeit im demografischen Wandel

Anzeichen des demografischen Wandels mit gravierenden Auswirkungen auf die Altersstruktur in der Bundesrepublik und unmittelbar damit verbunden auf die betriebliche Altersstruktur sind heute schon in vielen Betrieben sichtbar. Angesichts abnehmender Geburtenraten und steigender Lebenserwartung hat die Politik schon vor Jahren die schrittweise Erhöhung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre beschlossen. Mit zunehmend älter werdender Belegschaft bei gleichzeitigem Fachkräftemangel steigt der Handlungsdruck für die Unternehmen. Mit seinem neuen „Leitfaden“ legt der VDBW Handlungsempfehlungen vor, die für Betriebsärzte und Verantwortliche in den Unternehmen gleichermaßen zur Überwindung der Krise hilfreich sein können. Ausgehend von den Ursachen, der Datenentwicklung zur Demografie und deren Auswirkung auf Fachkräftemangel und die Beschäftigung zunehmend älter werdender Belegschaften werden deren Kompetenzen und Handycaps vorgestellt. In Verbindung mit den Krankheitsarten und -häufigkeiten nach Lebensalter lassen sich daraus spezifische Handlungsfelder und -möglichkeiten für die Betriebe ableiten. Besonders wird es darum gehen, Stärken und Potenziale älterer Beschäftigter prioritär zu nutzen, trainier- und kompensierbare Fähigkeiten zu fördern und bei den übertragenen Arbeitsaufgaben auf die typischerweise nachlassenden Potenziale Rücksicht zu nehmen. Dabei muss auch das Management überzeugt werden, dass ältere Beschäftigte nicht nach dem Defizitmodell („weniger leistungsfähig, kaum lernfähig, langsamer in der Informationsaufnahme, weniger belastbar und häufiger krank“) geführt werden sollten, sondern vielmehr ein lernphasenorientiertes Führen nach dem Kompetenzmodell („Menschen in altersgerechter Arbeitskultur – arbeiten dürfen, können und wollen“) erforderlich ist. Bei der Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit über den gesamten Erwerbsverlauf kommt dem Betriebsarzt von der Beratung bei Planung der Gesamtstrategie bis zur Umsetzung der Einzelmaßnahmen auf allen Ebenen eine zentrale Rolle zu: Schon im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gilt es, die Entscheider zu sensibilisieren und die Personalbedarfsplanung rechtzeitig zu beeinflussen. Geeignete Instrumente zur individuellen Altersstrukturanalyse des Unternehmens müssen ausgewählt und interpretiert werden.

In einer umfangreichen Tabelle ist zusammengefasst, wie der Betrieb physiologischen Veränderungen (körperlich – sensorisch – mental – motorisch) im Alter mit einfachen Maßnahmen wirksam begegnen und so menschengerechtes Arbeiten auch für ältere Beschäftigte sicherstellen kann. Ein interessantes Instrument hierzu könnte auch die Ausdehnung des bewährten Systems der altersabhängigen Vorsorgeuntersuchungen (U1-U11, J1/2) auf das Erwachsenenalter sein: Seitens des VDBW werden regelmäßige betriebsärztliche Beratungsgespräche, ggf. verbunden mit Untersuchungen, zur Früherkennung von gesundheitlichen Risiken und Erkrankungen sowie zur Feststellung der individuellen Leistungsfähigkeit im 35., 45. und 55. – 60. Lebensjahr empfohlen. Neben medizinischen Aspekten kann dabei auch das Qualifikationsprofil in Bezug zu den medizinischen Befunden gesetzt und der Arbeitnehmer beraten werden, ob sich gesundheitliche Probleme ergeben können und wie dem präventiv entgegengewirkt werden kann. Die vielfältigen Inhalte allgemeiner und arbeitsplatzbezogener betriebsärztlicher Beratungsangebote in der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention und sein Einfluss auf Rehabilitation und betriebliche Wiedereingliederung werden ausführlich dargestellt. Dabei geht es nicht ausschließlich um betriebliche Maßnahmen, sondern auch um die Bewerbung der individuellen Präventionsmöglichkeiten einschließlich der Sensibilisierung für gesunde Ernährung, Bewegung und die Schließung von Impflücken im Erwachsenenalter.

Ziel ist eine Kultur der „Achtsamkeit für Arbeitsfähigkeit“, die wesentlich von der Führung geprägt ist und im Ergebnis „Wertschöpfung durch / trotz Wertschätzung“ im Betrieb beinhaltet.

Autoren:
Dr.med. Heidrun Hartmann, Hamburg
Dr. med. Christine Kallenberg, Ravensburg
Dr. med. Wiete Schramm, Berlin
Dr. med. Hanns Wildgans, München

Leitfaden Beschäftigungsfähigkeit im demografischen Wandel (pdf-Datei 3,8 MB)


 
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