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Aktuelle Themen, Arbeitsmedizin

28.11.14

Rehabilitation - spezifische Belastungen in verschiedenen Berufen

Mit dem seit einigen Jahren bestehenden Web-Reha-Verfahren steht ein Instrument zur Verfügung, durch das sich die Zusammenarbeit zwischen Betriebsärzten und Rehabilitationseinrichtungen zumindest aus Richtung der Betriebsärzte deutlich verbessert hat. Als Betriebsarzt habe ich die Möglichkeit, direkt eine Rehabilitationsmaßnahme zu beantragen, wenn sich aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge heraus die Indikation dazu ergibt. Aus der Kenntnis der Arbeitsbedingungen und der Auswirkungen der Erkrankung auf die Einsatzfähigkeit kann ich die Indikation auch fundiert begründen. Eine genaue, arbeitsmedizinische Beschreibung der Arbeitsbedingungen und Bewertung der Erkrankungen in Bezug auf die Tätigkeit liegen den Rehabilitationseinrichtungen somit vor. Bei Maßnahmen, die durch behandelnde Ärzte eingeleitet werden, liegt in der Regel nur die Arbeitsplatzbeschreibung aus der Sicht des Patienten vor. Alle Rehabilitationsmaßnahmen enden abschließend mit der Beurteilung des Rehabilitationsergebnisses. Dies ist eine gutachterliche Äußerung, die im Betrieb Beachtung findet. Sie sollte deshalb so genau wie möglich die tatsächlichen Arbeitsbedingungen und die Erkrankungsfolgen berücksichtigen.

Allerdings habe ich es in der Praxis nur selten erlebt, dass es bei der Beurteilung des Rehabilitationserfolges in Hinblick auf die Einsatzfähigkeit oder bei der sozialmedizinischen Beurteilung zur Kommunikation zwischen Rehabilitationseinrichtungen und Betriebsarzt kommt. So bleiben die Empfehlungen häufig unspezifisch und es obliegt dem Betrieb, sich mit den Bewertungen und Empfehlungen der Rehabilitationseinrichtung auseinanderzusetzen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass durch diese gutachterlichen Äußerungen häufig auch Erwartungen der Beschäftigten an ihren Betrieb und ihren Einsatz geschürt werden. Manchmal sollen mit Hilfe der behandelnden Ärzte und auch des Betriebsarztes Einsatzbeschränkungen oder innerbetriebliche Umsetzungen geradezu erzwungen werden, weil deren Notwendigkeit ärztlich bescheinigt ist. Je weniger Kenntnis der begutachtende Arzt von den tatsächlichen Arbeitsbedingungen im Betrieb hat, desto leichter gelingt dies.

Veröffentlicht in VDBWaktuell - Ausgabe Dezember 2014

Langfassung Artikel von Herrn Dr. med. Michael Neuber