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Arbeitsmedizin

23.06.11

Studie "Vorteil Vorsorge": Betriebsärzte verstärkt gefragt

Ergebnisse der aktuellen Präventionsstudie im Auftrag der Felix-Burda-Stiftung


Dass betriebliche Gesundheitsvorsorge strategische Wettbewerbsvorteile schafft, bestätigt jetzt eine aktuelle Studie. Zentrales Ergebnis: Weder aus betrieblicher noch aus volkswirtschaftlicher Perspektive gibt es eine Alternative zu verstärkter Prävention in den Firmen. Der Trend geht zur Erweiterung des Aufgabenspektrums von Betriebsärzten und betrieblichem Gesundheitsmanagement. Betriebsärzte sollen mehr Präventionsleistungen anbieten und mit Hausärzten gleichgestellt werden.

Vorsorgemaßnahmen erreichen noch immer viel zu wenige. Ein Weg, das zu ändern, ist die betriebliche Prävention. Darin zu investieren lohnt sich, wie die neue Studie „Vorteil Vorsorge – Die Rolle der betrieblichen Prävention für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland“ zeigt. Denn betriebliche Gesundheitsvorsorge schaffe echte strategische Wettbewerbsvorteile und steigere die Produktivität erheblich. Mit betrieblich organisierter Vorsorge und Gesundheitsmanagement lassen sich Kosten massiv senken, so die Studie. Die wichtigsten Treiber für die steigende Bedeutung betrieblicher Gesundheitsvorsorge sind der demografische Wandel, steigende Gesundheitskosten und der zunehmende Wettbewerb um Arbeitskräfte – diese Faktoren erhöhen den Handlungsdruck auf Unternehmen und Politik. Aber noch fehlt es an einer ausgeprägten Präventionskultur in deutschen Kleinbetrieben bis hin zu DAX-Konzernen, besagt ein weiteres Ergebnis der aktuellen Studie der Strategieberatung Booz & Company im Auftrag der Felix-Burda-Stiftung.

Präventionsappell: Studie stützt Verbandsarbeit
Die aktuelle Analyse verleiht der Arbeit von Betriebsärzten Rückenwind: Ihre Ergebnisse bestärken den Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) und die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) in ihrer jahrzehntelangen, intensiven Verbandsarbeit – und darin, die geplante Kampagne zum Präventionsappell „job fit“ ab Herbst dieses Jahres  durchzuführen. Denn: Deutschland braucht leistungsfähige Arbeitnehmer, und politische Veränderungen können nur richtig in Gang kommen, wenn Unternehmen und Betriebsärzte neben fachlichen Argumenten auch konkrete Forderungen stellen. Mit der Aktion für ein Bekenntnis zu mehr Gesundheitsvorsorge im Job will der VDBW den offensichtlichen Fakten Nachdruck verleihen. Das Ziel: In deutschen Unternehmen soll das Know-how zur Umsetzung betrieblicher Gesundheitsvorsorge fest etabliert werden.

Der VDBW und die DGAUM planen aktuell den Präventionsappell „jobfit“: Unternehmen und Mitarbeiter sollen sich ab Herbst 2011 für Gesundheitsvorsorge im Job aussprechen.


Prävention bringt betriebs- und volkswirtschaftliche Vorteile
Es gibt hochattraktive Gründe für Unternehmen, in Prävention zu investieren und damit die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten zu erhalten. Die Autoren der Booz-Studie rechnen vor, welche monetären und strategischen Vorteile betriebliche Gesundheitsvorsorge für Wirtschaft und Gesellschaft bringt. Demnach zahle sich jeder Euro, der in betriebliche Prävention investiert werde, für die deutsche Volkswirtschaft mit mindestens fünf und bis zu 16 Euro aus. Dieser Effekt beruhe auf der reinen Verringerung von Krankheitstagen und damit verbundenen direkten Kosten für Medikamente und medizinische Behandlung – dabei sind indirekte Kosten wie Know-how-Verlust oder verminderte Produktivität noch gar nicht eingerechnet. Fest steht: Mehr und mehr Unternehmen werden künftig Präventionsmaßnahmen für sich entdecken und einfordern.

Das Gesundheitsmodell der Zukunft: Betriebliche Vorsorge
Was also muss konkret passieren, damit in betriebliche Prävention und in die Zukunft des Standortes Deutschland investiert wird? Die Autoren der Untersuchung fordern, dass die Arbeitsmedizin zu einer zentralen Säule der Gesundheitsvorsorge in Deutschland ausgebaut werden müsse. Dies liege auf der Hand, da Betriebsärzte die Menschen, von denen viele aus eigener Initiative keine präventiven Maßnahmen ergreifen würden, direkt am Arbeitsplatz erreichen.

Im Rahmen der Unternehmensbefragung hat sich abgezeichnet, dass Ganzheitlichkeit, Vernetzung und Vertrauensbildung entscheidende Kriterien für eine erfolgreiche Umsetzung von Präventionsprogrammen in Unternehmen sind. Partner statt Konkurrenten: Verlangt werden mehr Kooperationen und die Gleichstellung von niedergelassenen Medizinern und Betriebsärzten. So müssten beispielsweise künftig die Kosten für Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen oder Krebsvorsorge übernommen werden, die bislang nur Hausärzten zustehen, Betriebs- und Werksärzten jedoch nicht. Es müsse dafür geworben werden, dass Hausärzten dadurch neue Patientengruppen erschlossen werden, da die kurative Medizin schließlich nach wie vor beim Hausarzt verbleibe.

Für Unternehmen, die nicht über eigene Betriebsärzte verfügen, empfiehlt sich im Gesundheitsmanagement eine enge Zusammenarbeit mit externen Partnern. Dadurch lassen sich Kosten und Personalressourcen reduzieren. Dies sei vor allem für mittelständische und kleinere Unternehmen von Bedeutung. Bisher nutzen nur etwa 20 Prozent aller deutschen Unternehmen die Potenziale betrieblichen Gesundheitsmanagements. Die Notwendigkeit, mit der Unfallverhütungsvorschrift DGUV V2 vom 1. Januar 2011 neue rechtliche Impulse zu setzen, sei laut Studie ein Indiz, dass die Umsetzung der betrieblichen Prävention bisher nicht ausreichend fortgeschritten ist.

Auch das Management ist gefragt: Nach wie vor hätten in den meisten Unternehmen die Betriebsärzte allein die Zielvorgabe, die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen, besagt die Studie. Um die Vorteile betrieblicher Prävention voll auszuschöpfen, sollten aber auch Top-Management, Führungskräfte und HR-Verantwortliche über Zielvereinbarungen noch stärker zur Verbesserung der Mitarbeitergesundheit in die Verantwortung genommen werden.

Politik muss nachsteuern
Gesundheitsvorsorge müsse integraler Bestandteil jeder Unternehmensstrategie und gesundheits- sowie wirtschaftspolitisch forciert werden. Die Autoren der Studie appellieren: Politik muss Prävention ernst nehmen und entsprechende Rahmenbedingungen bieten, damit sie in der Unternehmenspraxis etabliert werden kann. Noch sind der Studie nach die größten Hürden für die Umsetzung betrieblicher Prävention intransparente und unterschiedlich gehandhabte rechtliche Regelungen, mangelnde Anreize für Unternehmen – zum Beispiel Steuerentlastungen – sowie kaum belastbare Langzeitanalysen zum Kosten-Nutzen-Verhältnis von Präventivmaßnahmen. Zudem müssten Präventionskonzepte der Krankenkassen besser unterstützt werden. All das macht es betrieblichen Gesundheitsmanagern derzeit zusätzlich schwer, präventive Maßnahmen im angestrebten Umfang umzusetzen. Was daraus folgt? Die Politik müsse eingreifen und betriebliche Vorsorge künftig stärker unterstützen.

Zum Hintergrund
Der Auftraggeber der Studie, die Felix-Burda-Stiftung, wurde 2001 von Dr. Christa Maar und Verleger Prof. Dr. Hubert Burda gegründet und unterstützt neben der Darmkrebs-Prävention auch die Gesundheitsvorsorge generell.

Booz & Company ist mit mehr als 3.300 Mitarbeitern in weltweit 60 Büros eine der führenden Strategieberatungen. Zu den Kunden gehören Unternehmen sowie Regierungen und Organisationen.

Die Studie „Vorteil Vorsorge – Die Rolle der betrieblichen Prävention für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland“ bewertet die aktuellen Rahmenbedingungen zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge und gibt Anregungen, wie Politik und Wirtschaft Prävention in Unternehmen weiter stärken können. Basis der Untersuchung ist die qualitative Befragung bei 24 deutschen Unternehmen, darunter BASF AG, BMW Group, Deutsche Post DHL, EADS Deutschland GmbH, E.ON Ruhrgas AG, Henkel KGaA, Hubert Burda Media, IKEA Deutschland GmbH & Co. KG, MAN Nutzfahrzeuge AG, Pfizer GmbH, RWE Power AG, SAP AG und Siemens AG sowie dem VDBW.




 Studie als pdf-Datei (2,18 MB)

Vorteil Vorsorge“ – Die vollständige Studie ist telefonisch unter 089 54 525 529 oder über www.booz.com/de  (http://www.booz.com/de/home/Presse/Pressemitteilungen/pressemitteilung-detail/49542837) zu beziehen.

 
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