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Arbeitsmedizin

06.04.11

Neues zur DGU-Vorschrift 2

Zur DGUV-Vorschrift 2
Die Unfallverhütungsvorschrift „Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit – DGUV-Vorschrift 2“ ist zum 1.1.2011 in Kraft getreten. Kaum ein Thema hat Betriebsärzte mehr beschäftigt als diese neue Rechtsgrundlage. Eine betriebsärztliche Betreuung nach einheitlichen Grundsätzen und Vorgaben in allen Branchen, in der gewerblichen Wirtschaft ebenso wie bei der öffentlichen Hand; ein modernes System weg von starren Einsatzzeiten, hin zu individuellen und gefährdungsorientierten Leistungen; eine Stärkung des betrieblichen Gesundheitsschutzes, so lauteten die wichtigsten Ziele. Wir haben uns sehr kritisch zu zentralen Punkten der Vorschrift geäußert, aber nach den Entscheidungen durch die Gremien und den Genehmigungen durch das zuständige Ministerium muss es jetzt um die bestmögliche Umsetzung gehen, bei der die Rolle von Betriebsärzten nicht geschwächt, sondern gestärkt wird. Die schlanke Vorschrift mit sieben Paragraphen, vier (rechtsverbindlichen) Anlagen und fünf (hinweisenden) Anhängen, sowie zahlreichen Empfehlungen und Hilfestellungen der DGUV und der einzelnen UV-Träger wird seit Jahresbeginn umgesetzt und damit sind viele Fragen verbunden.

Aufteilung der Grundbetreuung
Die Regelbetreuung sieht in der Grundbetreuung insgesamt neun Aufgabenfelder vor und bedarf der Aufteilung der gemeinsamen Einsatzzeit von Betriebsarzt und Sifa. Diese gemeinsame Grundbetreuungszeit entsprechend der drei Gefährdungsklassen muss betriebsindividuell aufgeteilt werden, wobei für jede Berufsgruppe ein Mindestanteil von 20 %, jedoch nicht weniger als 0,2 Std / Jahr pro Beschäftigtem anzusetzen ist. Grundsätzlich haben Betriebsärzte und Sifas weitgehend deckungsgleiche Aufgaben im Arbeits- und Gesundheitsschutz zu erfüllen und bringen jeweils ihre Fachkunde ein. Der Verband plädiert deshalb für eine Aufteilung der Betreuungszeit von 50:50. Je nach betrieblicher Situation und entsprechender Begründung kann eine andere Aufteilung sinnvoll sein, aber grundsätzlich raten wir zu einer Aufteilung auf gleicher Augenhöhe.

Betriebsspezifische Betreuung
Die betriebsspezifische Betreuung benennt vier Aufgabenbereiche mit insgesamt 16 Aufgabenfeldern, die in der Regel eine dauerhafte Betreuung erfordern. Um die Betreuung festzusetzen, muss über eine komplexe Bearbeitungskaskade von Auslösekriterien, Auslöseschwellen, Beschreibung der Leistungen und Bestimmung des zeitlichen Aufwands der Personalbedarf für Betriebsarzt und Sifa ermittelt, aufgeteilt und vereinbart werden. In der Arbeitshilfe des Verbands sind die für Betriebsärzte möglichen Auslösekriterien gekennzeichnet, nicht zuletzt deshalb lohnt sich eine systematische Bearbeitung der Unterlagen. Einen „Einsatzzeitenrechner“ gibt es leider nicht; dies würde auch die Grundidee der individuellen Ermittlung des Betreuungsumfangs widersprechen. Zur Vereinfachung haben wir auf der Internetseite jedoch eine bearbeitbare Excel-Liste zur Verfügung gestellt.

Wichtig ist, dass die Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen zu Punkt 1.4 des betriebsspezifischen Teils „Erfordernis arbeitsmedizinischer Vorsorge“ gehören. Aus einer Forschungsarbeit1 der BAuA aus dem Jahr2000, deren Ergebnisse wir ergänzt haben, konnten wir dendurchschnittlichen Zeitbedarf pro Untersuchung auflisten.Wo immer möglich empfehlen wir die Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).

Die Arbeitshilfe und weitere Informationen des VDBW
Allen Mitgliedern haben wir eine 48-seitige Arbeitshilfe zur Verfügung gestellt. In insgesamt vier Regionalkonferenzen und zahlreichen weiteren Veranstaltungen der Landesverbände konnten wir eine große Zahl von Teilnehmern eingehend informieren und einen Teil der offenen Fragen beantworten. Mit weiteren Informationen, die auf der Internetseite im Mitgliedergeschützten Bereich stehen, helfen wir Ihnen, die Umsetzung erfolgreich zu bewältigen. Falls sie zum Thema DGUV-Vorschrift 2 um einen Vortrag gebeten werden, steht Ihnen auch ein Mustervortrag zur Verfügung.

Nutzen sie die Möglichkeiten dieser Vorschrift 2 für Ihre Arbeit! Betriebsärzte haben allen Grund, ihre Tätigkeit selbstbewusst anzubieten und Unternehmen wie Mitarbeiter offensiv zu beraten.


1Quelle: Fb4, Schriftenreihe der BAuA, Ch. Barth, D. Glomm, L. Wienholt: Betriebsärztliche Kleinbetriebsbetreuung – Bedarfsabschätzung, Strategien, zeitgemäße Betreuungsmodelle; Dortmund 2000; Modifiziert auf Grundlage der ArbMedVV und der 5. Auflage der Berufsgenossenschaftlichen Grundsätze für Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Stuttgart 2010